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Unterricht einer höheren Schule teilnahm, Schüler unserer Anstalt war. Die Schule schätzt sich glücklich auch an dieser Stelle von dem huldvollen Antwortschreiben Seiner König- lichen Hoheit Kunde geben zu können. Dasselbe lautete:
Die freundlichen Glückwünsche, welche mir der Direktor und das Lehrerkollegium des Realgymnasiums zu Cassel in Form einer kunstvoll ausgestatteten Adresse unlängst zugehen liessen, habe ich den mich wahrhaft erfreuenden Kundgebungen hinzurechnen dürfen, die mir anlässig meiner Verlobung mit Ihrer Grossherzoglichen Hoheit der Prinzessin Irene von Hessen und bei Rhein entgegengebracht worden sind.
Indem ich für diesen neuen Beweis freundlichen Gedenkens meinen wärmsten Dank einer Bildungsanstalt hiermit abstatte, mit der mich einstige Beziehungen dauernd und in be- sonderer Weise verbinden, möchte ich der Hoffnung Ausdruck geben, dass das Realgymnasium zu Cassel nicht nur eine bewährte Pflanzstätte stets sein mõge für die wissenschaftlichen Grundlagen des praktischen Lebens, sondern auch eine Pflegstätte der Gottesfurcht und der königstreuen Gesinnung, aus denen das preussische Volk mit der gesamten deutschen Nation seine Ideale zu schöpfen seit lange gewohnt ist.
Darmstadt, den 18. April 1887.
Heinrich, Prinz von Preussen.
Am 24. März erging ein Glückwunschschreiben an das Realgymnasium zu Giessen zur Feier seines fünfzigjährigen Bestehens. Am 2. April, bei der Schlussfeierlichkeit, gab der Direktor in seiner Rede zur Entlassung der Abiturienten ein Lebensbild Uhlands mit be- sonderer Berücksichtigung der Gedichte, welche im Laufe der Schulzeit durch das Lesebuch unseren Schülern bekannt werden. Er hielt damit eine Art Vorfeier des hundertjährigen Ge- burtstags des Dichters, um die mit dem Schluss des Schuljahrs abgehenden Schüler noch an dieser Feier teilnehmen zu lassen. Am 26. April selbst wiesen die Lehrer des Deutschen in ihren Klassen die Schüler noch einmal besonders auf die Bedeutung Uhlands hin. Eine An- zahl von Lehrern konnte an diesem Tage der Einladung folgen, welche Herr Direktor Heussner freundlicher Weise zu der Schulfeier des Wilhelmsgymnasiums an die Lehrer des Realgymna- siums hatte ergehen lassen. Am 4. August sprach der Direktor im Namen des Lehrerkollegiums und der Schüler dem Herrn Geh. Reg.-Rat a. D. Lautz in Wiesbaden das herzlichste Beileid zu dem am 2. August bei einem Bad im Rheine erfolgten Tode seines Sochnes Ferdinand Lautz aus, der während seiner Thätigkeit als Probekandidat an unserer Anstalt(Herbst 1883— 1884) durch seine wissenschaftliche Tüchtigkeit, sein rastloses Streben, sein Lehrgeschick, seine Liebe zum Beruf, seinen geraden, offenen Charakter und sein liebenswürdiges Wesen sich ebensosehr die Achtung wie die Liebe von Lehrern und Schülern erworben hatte. Bei der Beerdigung vertrat Herr Heydenreich die Casseler Anstalt. Am 2. September fand die Schulfeier des Sedanfestes durch eine Rede des Herrn Siebert über das Leben des Feldmarschalls Graf Moltke mit besonderer Berücksichtigung der Ereignisse, welche zur Katastrophe von Sedan führten, sowie durch deklamatorische Vorträge und Gesänge von Schülern statt. Der übliche Ausflug wurde des Wetters wegen erst am Nachmittag des 12. September unternommen. Einige dramatische Aufführungen, deren eine ein von dem Unterprimaner Karl Fenner und dem Untersekundaner Rudolf Scheurmann verfasstes kleines Stück zum Gegenstande hatte, trugen wesentlich zur Hebung der Festfreude bei. Am 16. Oktober folgte das Lehrerkollegium dem Sarge des am 14. Oktober verstorbenen Lehrers an der hiesigen Realschule Dr. Heinrich Ide, am 30.


