Aufsatz 
Über Euripides'Iphigenie unter den Tauriern und Goethes Iphigenie auf Tauris
Entstehung
Einzelbild herunterladen

18

Die Lehrpläne von 1882 sagen darum: Der geschichtliche Unterricht der Gymnasien hat seine Aufgabe erfüllt, wenn er in den Schülern die Hochachtung vor der sittlichen Grösse einzelner Männer oder ganzer Völker gepflegt, das Bewusstsein hervorgerufen hat, wie viel ihnen noch zur vollen Einsicht fehlt, und ihnen die Befähigung gegeben hat die bedeutendsten klassischen Geschichtswerke mit Verständnis zu lesen.

Wie anderer Unterricht soll auch der in der Geschichte auf Verstand und Gemüt an- regend und bildend wirken und die Fähigkeit des Gedankenausdrucks üben und kräftigen; zugleich soll er den Unterricht in anderen Gegenständen ebenso ergänzen und fördern, wie er durch jenen ergänzt und gefördert werden soll.

II. Verteilung des Lehrstoffs in zwei Lehrgäüngen, nach den einzelnen

Klassen und nach dem Lehrbuch. Angabe der wöchentlichen Unterrichts-

stunden und der häuslichen Arbeitszeit. Einzelnes über die Behandlung des Lehrstoffs.

Naturgemäss steht dem Deutschen Deutschland am nächsten. Der Sextaner ist darum in die deutsche Sagenwelt einzuführen, die deutschen Helden müssen die ersten ihm gebotenen Vorbilder sein, damit seine erste und wärmste Begeisterung von vornherein dem Vaterlande sich zuwende. In Quinta beginnen die Erzählungen aus der griechischen Sagenwelt, die in Verbindung mit Abschnitten aus der römischen Sagengeschichte das Schuljahr genügend aus- füllen. Eng hieran schliesst sich die Aufgabe der Quarta, die Einführung in die Hauptthat- sachen der griechischen und römischen Geschichte. Der Geschichtsunterricht der Tertia führt den ersten Lehrgang in der Geschichte zu Ende. In Untersekunda beginnt ein zweiter Lehr- gang, der von dem griechischen Altertum bis auf die Gegenwart dasselbe Gebiet der Geschichte noch einmal durchnimmt, das in Quarta und Tertia den Schülern zum ersten Male vorgeführt ist, jetzt mit besonderer Berücksichtigung der inneren Entwickelung der Völker.

Im einzelnen gestaltet sich die Verteilung des Stoffes folgendermassen:

1) Sexta, 1 Stunde wöchentlich. Die Nibelungensage, die Kudrunsage, Walther von Aquitanien. Andere Sagen von Siegfried und von Dietrich von Bern. Ortnit. Beowulf. Auch wohl König Rother, Parzival, Iwein, falls hierzu noch Zeit bleibt. Ein Lehrbuch ist nicht vorhanden, häusliche Arbeit nicht zu fordern. Als Hilfsmittel für den Lehrer empfehlen sich, abgesehen von dem, was grössere Geschichtswerke bieten, besonders Osterwalds Erzühlungen aus der alten deutschen Welt sowie Ad. Lange, Deutsche Götter- und Heldensagen.

2) Quinta, 1 Stunde wöchentlich. Der Kampf um Troja. Die Irrfahrten des Odysseus und die Geschicke der anderen hervorragenden griechischen Helden. Die Herkulessagen. Theseus. Perseus. Die Argonautensage. Kadmus. Die Labdakidensage. Aeneas. Es bietet sich hierbei genügende Gelegenheit mit dem Hauptsächlichsten aus der griechischen und- mischen Götterlehre bekannt zu machen, namentlich auch die gleichartigen Gottheiten beider Völker neben einander zu stellen. Hier wird sich besonders die Vorführung von Bildwerken empfehlen. Bei der Betrachtung der Unterwelt lassen sich die Sagen von Tantalus und seinem Hause, von Danaus und seinen Töchtern, von Sisyphus, von Prometheus einflechten. Deukalion, Dädalus, Orpheus, Meleager, Phasthon können bei anderen Gelegenheiten Erwähnung finden.