Aufsatz 
Über Euripides'Iphigenie unter den Tauriern und Goethes Iphigenie auf Tauris
Entstehung
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Blick hat Iphigenie seit ihrer geheimnisvollen Ankunft die Taurier, jeglichen aus dem Volke wie den König, angeschaut. Möchte sich doch ihr Herz endlich vertrauend öffnen; möchte sie sich hier nicht mehr als Vertriebene und Verwaiste fühlen; möchte sie den Segen, den sie verbreitet, schon zum Dank für die Ehrfurcht und Neigung, mit der ihr der König vom Augen- blicke ihrer Ankunft an als einer Gottgegebenen entgegen gekommen, krönend mehren! Denn sie hat kein unnütz Leben geführt, wie sie selbst bescheiden behauptet, sie hat tiefe Wirkung geübt auf Volk und König.

Du hast hier nichts gethan seit deiner Ankunft?

Wer hat des Königs trüben Sinn erheitert?

Wer hat den alten grausamen Gebrauch,

Dass am Altar Dianens jeder Fremde

Sein Leben blutend lässt, von Jahr zu Jahr

Mit sanfter UÜberredung aufgehalten

Und die Gefangnen vom gewissen Tod

Ins Vaterland so oft zurückgeschickt?

Hat nicht Diana, statt erzürnt zu sein,

Dass sie der blut'gen alten Opfer mangelt,

Dein sanft Gebet in reichem Mass erhört?

Umschwebt mit frohem Fluge nicht der Sieg

Das Heer? und eilt er nicht sogar voraus?

Und fühlt nicht jeglicher ein besser Los,

Seitdem der König, der uns weis' und tapfer

So lang' geführet, nun sich auch der Milde

In deiner Gegenwart erfreut und uns

Des schweigenden Gehorsams Pflicht erleichtert?

Das nennst du unnütz, wenn von deinem Wesen

Auf Tausende herab ein Balsam träufelt?

Wenn du dem Volke, dem ein Gott dich brachte,

Des neuen Glückes ew'ge Quelle wirst

Und an dem unwirtbaren Todesufer

Dem Fremden Heil und Rückkehr zubereitest?

Kann uns ein schöneres Lob von Iphigeniens segensreichem Wirken gegeben werden, als wir es hier aus Arkas' Munde vernehmen? Sie selbst kann nichts daran kürzen, sie kann nur, was geschehen, als gering bezeichnen gegenüber dem, was noch zu thun übrig ist. Und ist das nicht eine mehr als dankbare Aufgabe, in diesem Sinne weiter zu wirken? Wenn sie des Arkas Aufforderung, dem Werben des Königs entgegenzukommen, kein Nein entgegen- setzte, wenn sie die Hand des Thoas annähme, seinen Thron mit ihm teilte, wie viel mehr würde sie dann imstande sein segensreich zu wirken! Weise und tapfer und grossherzig hat ihn sein Diener genannt, als edel Iphigenie ihn selbst bezeichnet, kann ihr der Entschluss so schwer werden Ja zu sagen, wenn er selber kommt? Und doch erklärt sie des Arkas An- deutungen für die schrecklichste Drohung. Auch seine wirkliche Drohung, ihre Weigerung könne die schlimmsten Folgen haben, des Königs Unmut könne ihr Entsetzen bringen, dass sie zu spät an Arkas' treuen Rat mit Reue denke, auch dies vermag sie nicht in ihrem Ent- schluss wankend zu machen. Freundlich, aber auch wahrhaftig will sie dem Könige begegnen-

Die Figur des Arkas fanden wir bei Euripides nicht. Er steht weit höher als die Boten, welche die Gefangennahme der beiden Jünglinge, die Flucht derselben mit Iphigenie und dem Götterbilde zu berichten hatten. Er ist der erste Diener des Königs, sein Vertrauter;