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jährigen Bestehens. Am 4. Dezember wurde dem Abgeordneten Schmidt-Stettin zur Feier seiner fünfundzwanzigjährigen Abgeordnetenthätigkeit, in der er so viel für die höheren Schulen gewirkt, ein Begrüssungsschreiben übersandt. Am 8. Dezember wurde wieder die Rombergsche Glocke vom Sängerchor der Schule zur Aufführung gebracht, unter Mitwirkung von Herrn Dippel, unserm früheren Schüler, und Herrn Nolda. Am 7. März 1887 fand eine zweite Abendunterhaltung statt, in welcher ausser einigen Liedern für Sopran- und Altchor und einem Musikstück für drei Geigen Scenen aus Shakespeares Julius Cäsar, Molières Bourgeois Gentilhomme und Körners Zriny und zwei Gedichte zum Vortrag kamen. Aus dem Reinertrag der beiden Abende konnten der Preimestiftung 226,80 Mark, der Ferienkolonie 100 Mark, der Louisenstiftung 30 Mark, einer bedürftigen Familie 30 Mark über- wiesen werden. Das Geburtsfest Seiner Majestät soll am 22. März durch eine Schulfeier mit Fest- rede, Gesängen und Vorträgen von Schülern gefeiert werden.
Im Herbst fand keine Reifeprüfung statt; für den Ostertermin haben sich sämtliche 10 Oberprimaner gemeldet. Die schriftliche Prüfung wurde vom 17. bis 22. Januar vorgenommen, die mündliche Prüfung ist auf den 29. März festgesetzt. Das Ergebniss wird erst im nächsten Jahres- bericht veröffentlicht werden können. Der Reifeprüfung für Prima unterzog sich, mit Erfolg, im Ende Februar und Anfang März ein Zögling der hiesigen Vorbereitungsanstalt des Herrn v. Hartung. Prüfungen zum Nachweise der Reife für eine andere Klasse haben nicht stattgefunden.
Im November besuchte Herr Provinzialschulrat Dr. Lahmeyer die Anstalt und wohnte während eines ganzen Tages dem Unterricht verschiedener Lehrer bei. Seine Beobachtungen gaben ihm meistens Veranlassung seine volle Befriedigung auszusprechen.
Sommerausflüge wurden von den unteren Klassen bis Untertertia einschliesslich auf je einen halben oder einen ganzen Tag unternommen. Aus der Obertertia, der Sekunda und Prima nahmen 104 Schüler unter Führung vom Direktor und 9 Lehrern an einer dreitägigen Fahrt nach dem Teuto- burgerwalde und den Weserbergen teil. Die Kosten für die Eisenbahnfahrt nach Altenbeken und zurück, von Detmold nach Bückeburg, von Rinteln nach Hameln, von Emmerthal über Pyrmont nach Altenbeken, ferner für Abendessen und Nachtquartier auf der Grotenburg, Abendessen und Nacht- quartier in Hameln sowie Mittagessen in Pyrmont und einige kleine Ausgaben für die Gesamtheit betrugen für jeden Teilnehmer 10 Mark. Auch diesmal gaben Denkmäler der Vorzeit wie aus unsern Tagen zusammen mit der Wirkung teils lieblicher teils grossartiger Naturschönheiten den Schülern bleibende Eindrücke fürs Leben. Am Hermannsdenkmal nahm der Direktor Veranlassung zu einer dem Orte entsprechenden Rede; nach dem Abendessen wurden von einigen Schülern Scenen aus Kleists„Hermannsschlacht“ aufgeführt, zu denen Herr Ide, welcher diese Uberraschung vor- bereitet hatte, die verbindende geschichtliche Darstellung gab. Im Winterhalbjahre konnten freie Nachmittage zum Eislauf nur durch Verlegung von Unterrichtsstunden für die betreffende Klasse geschaffen werden.
Das Kuratorium bestand aus folgenden Herrn: 1) Oberbürgermeister Weise als Vor- sitzendem, 2) Stadtratsmitglied Tegethof, 3) Bürgerausschussmitglied Geheime Commerzienrat Henschel, 4) Kaufmann Rittershaussen, 5) Privatbaumeister Potente, 6) Stadtschulrat Bornmann, 7) Pfarrer Wagner, 8) Direktor Wittich. Das Kompatronat des Staates vertrat im Sommerhalbjahr Herr Regierungsrat von Stark. Nach dessen Ernennung zum Oberregierungsrat in Frankfurt a. d. O. ist ein Ersatz noch nicht erfolgt. Herrn von Stark sei auch an dieser Stelle unser herzlichster Dank ausgesprochen für die warme Fürsorge, welche er unserer Anstalt bewiesen hat.


