soll, wer ihre Eltern sind; dass sie, trotz des Verlobten Verbot, zur Leichenfeier des Fürsten geht, bei der Don Cesar sie zuerst sieht; dass sie im Bewusstsein dieser Schuld und im Banne des Eindrucks, den auch Cesar auf ihr Herz geübt, dem Geliebten das Geschehene verschweigt. Alles dies ist ihre Schuld, weil es ihre freie That ist, und es wirkt verhängnisvoll wie ähnliche Verschuldungen der anderen handelnden Personen zur Herbeiführung neuer, schwererer unbewusster Schuld. Ihre Liebesleidenschaft zu den Brüdern ist ebenso ihre Verschuldung, wie die Liebe der Brüder zu ihr deren Schuld ist. Ihr zarteres Gewissen erkennt es auch als solche, wie es alles von uns als Schuld eben Angeführte ihr vorhält. Das zeigt die ganze angstvolle Stimmung, in der sie uns zuerst gegenübertritt, das verkünden ihre Worte:
„Wo waren die Sinne, Jungfräulicher Zucht,
Was hab' ich gethan? Die Pforten durchbrach ich der heiligen Zelle! Ergriff mich bethörend Umstrickte mich blendend ein Zauber der Hölle? Ein rasender Wahn? Dem Manne folgt' ich,
Den Schleier zerriss ich Dem kühnen Entführer, in sträflicher Flucht.“
Dann versucht sie sich vor sich selbst zu rechtfertigen und verkündet uns ihr Einverständnis mit dem Geliebten, der ihr Schicksal gar nicht sich aufklären lassen will:
„Nicht kenn' ich sie und will sie nimmer kennen, Ein ewig Rätsel bleiben will ich mir,
Die sich die Stifter meiner Tage nennen, Ich weiss genug, ich lebe dir!“
Wenn sie von dir mich, mein Geliebter, trennen.
Aber nun erfasst sie wieder das Angstgefühl, so dass sie mit Schrecken daran denkt, ihr Verlassen des Gartens, ihr Beten in der nahen Kirche könne ebenso gefährlich gewesen sein wie ihre frühere Ubertretung eines Gebotes des Geliebten, als sie der Leichenfeier des Fürsten beiwohnte:
„Da der Jüngling mir, der fremde, Noch durchschauert kaltes Grauen,
Nahte, mit dem Flammenauge, Da ich's denke, mir die Brust!
Und mit Blicken, die mich schreckten, Nimmer, nimmer kann ich schauen. Mir das Innerste durchzuckten, In die Augen des Geliebten,
In das tiefste Herz mir schaute— Dieser stillen Schuld bewusst!“
Dies Schuldbewusstsein und das Furchtbare und UÜberraschende der Thatsache, dass Don Cesar statt des erwarteten Geliebten erscheint, macht sie starr und verschliesst ihr den Mund, als dieser sie für seine Braut erklärt; dies Schuldbewusstsein in Verbindung mit der Angst vor Don Cesars Wiederkehr und mit Don Manuels schwerfälliger Art lässt sie nach Manuels Ankunft zuerst nur darauf bedacht sein, diesen zur Flucht zu bewegen, und lässt ihr Geständnis, dass sie Don Cesar kennt, so zögernd zum Vorschein kommen, dass erst in dem Augenblicke der Verlobte vollständig klar sieht, wo Don Cesar eintritt, so dass sie von Manuel noch nicht hat erfahren können, dass sie seine Schwester ist. In Manuels Armen, ängstlich und liebevoll an ihn geschmiegt findet sie Don Cesar, und so trägt auch sie dazu bei, dass des Geliebten, des Bruders Herz der Mordstahl trifft. Sie verliert die Brüder, da sie sie eben gefunden; sie wird die Mutter, die ihr so wenig Liebe bewiesen, von der sie darum gern sich trennen würde, um als Opfer für den geliebten Toten aus der Welt zu scheiden, in ihrem Herzen erst finden, wenn der gemeinsame Schmerz um die Dahingeschiedenen sie einander näher bringt; sie wird, wie ich schon früher sagte, mit ihrem reineren Herzen den läuternden Einfluss auf Isabella üben, der diese zur Selbsterkenntnis und Reue und zur inneren Aussöhnung bringen muss.
Noch ein kurzes Wort über den Chor. Ich brauche nicht auf sein Verhalten, nicht auf den Inhalt seiner Worte näher einzugehen; alles rechtfertigt sich für den unbefangenen Zuschauer oder


