Aufsatz 
Über Sophokles' "König Ödipus" und Schillers "Braut von Messina" / vom ... [Wilhelm Wittich]
Entstehung
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Himmels übernommen zu haben glaubt. Furchtbar klingen uns seine Worte, die wir die ganze Schwere seiner That kennen:

Zurück Ich habe meinen PFeind getötet, Ein furchtbar grässlich Ansehn hat die That, Der mein vertrauend redlich Herz betrog, Doch der gerechte Himmel hat gerichtet. Die Bruderliebe mir zum Fallstrick legte.

Dann beginnt die Reue in ihm zu wirken, als er sieht, was er der Mutter gethan, da er ihr den Sohn erschlug; er entschuldigt sich nur noch mit dem Willen des Himmels. Als er erfährt, dass Beatrice, seine wie des Bruders Geliebte, ihrer beider Schwester ist, da ergreift ihn zermalmend das ganze Bewusstsein seiner Schuld:

Ist sie wahrhaftig seine, meine Schwester,

So bin ich schuldig einer Greuelthat,

Die keine Reu' und Büssung kann versöhnen, so lautet das erste Bekenntnis. Und das zweite ist nicht minder offen:

Den Bruder hab' ich dir und hab' ihn mir Und ich bin mitleidswürdiger als er,

Hemordet dir gehört der Abgeschiedne jetzt Denn er schied rein hinweg, und ich bin schuldig.

Nicht näher an als ich, der Lebende,

Noch einmal verstockt sich sein Herz, als die Liebesleidenschaft ihn noch einmal ergreift, so dass er den Mord nur noch als Fluch, nicht mehr als Schuld erkennt.

Dich liebt' ich, wie ich nichts zuvor geliebt, Trag' ich den schweren Fluch des Brudermords;

Da du noch eine Fremde für mich warst. Liebe zu dir war meine ganze Schuld,

Weil ich dich liebte über alle Grenzen, und an diesen Erguss schliessen sich Vorwürfe gegen die Mutter und die Schwester. Dann aber kehrt das volle Schuldbewusstsein zurück, und die Uberzeugung der Verpflichtung stellt sich ein als oberster weltlicher Richter in Messina die Strafe an dem Mörder vollziehen zu müssen. Von diesem Gedanken, der zum festen Entschluss in ihm geworden ist, vermögen ihn nicht die Vorstellungen des Chors, nicht der Mutter Flehen, nicht der Schwester bittendes Wort abzubringen. Mit der Uberzeugung, dass der Himmel seine bussfertige Sühne annehmen werde, da der Mord in der einzig rechten Weise durch Blut gebüsst werde, giebt er sich im Angesichte des Sarges des von ihm ermordeten Bruders den Tod.

Man hat Schiller den Vorwurf machen wollen, er gebe hier eine Verherrlichung des Selbstmords. Der Dichter hat alles gethan, der That Don Cesars den Charakter des Selbstmordes zu nehmen. Aber selbst wenn wir alles dies nicht gelten lassen wollten oder sagen müssten, es ist und bleibt ein Selbstmord, sobald ein Mensch bewusst mit eigener Hand sich tötet, wird denn das Verfahren Cesars uns irgendwie als Vorbild hingestellt? Ist sein Tod nicht der furchtbare Abschluss eines schuldvollen Lebens? Gerade eine Warnung vor so schwerer Verschuldung muss dieser Lebensabschluss sein. Mitleid, tiefstes Mitleid, nicht zur Nachahmung aneifernde Bewunderung ist das Gefühl, mit dem wir von Don Cesar scheiden.

Und noch herzlicher ist unser Mitgefühl mit der armen Schwester, die am wenigsten schuldig ist, die am meisten als das Opfer des Schicksals angesehen werden muss, das durch die Schuld der Eltern und der Brüder herbeigeführt ist. Beatrice ist an heiliger Stätte rein geblieben von der schweren Schuld ihres Hauses. Aber das Erbteil von Leidenschaft, das sie mitbekommen, lässt auch sie schuldig werden, dass sie die Liebe zu dem fremden Ritter verheimlicht und weiter pflegt; dass sie der Entführung zustimmt, obwohl sie weiss, dass sie am nächsten Tage erfahren