da schnellt sie empor mit den stolzen Worten:
„Es ist Gewalt! Es ist verweg'ner Raub! Nicht pflichtvergessen konnte meine Tochter Aus freier Neigung dem Verführer folgen!“
Ja, sie erstickt leicht des Gewissens Stimme, die ihr strafend sagt:
„Ilätt' ich sie früher an das Licht gezogen, Wie mich des Herzens Stimme mächtig trieb!“
sie erstickt dieselbe durch ihren Stolz, sobald diesem Diego mit einigen entschuldigenden Worten wieder Raum geschafft hat. Als er ihr sagt:
„Ja, freue deines Werkes dich! Du hast,
Mit zartem Sinn und ruhigem Verstand
Vollendet, was der Vater nicht vermochte
Mit aller seiner Herrschermacht— dein ist
Der Ruhm; doch auch dein Glücksstern ist zu loben!“
da stimmt sie diesem alsbald zu mit den Worten: „Vieles gelang mir! Viel auch that das Glück.“
Von Gewissensbissen ist nicht mehr die Rede, stolz kann sie sich rühmen, dass sie auch jetzt nicht unthätig gewesen sei, während die Söhne nach der Tochter Spur geschäftig forschten. Zu ihrem Orakel, einem Einsiedler auf des Atna Höhen, hat sie geschickt,„dass er ihr Kunde von der Tochter gebe.“
So lange sie Nutzen davon erwartet, zeigt sie Achtung vor der Gottheit und ihren Dienern, aber von innerer Unterorduung unter den Allmächtigen ist nicht bei ihr die Rede. Sobald sie ihre Pläne durchkreuzt sieht, ist ihr die Gottheit„ein tückisch Wesen, dessen Neides Wut sich nimmer stillt;“ da fühlt sie, dass ihr„der böse Genius nicht schlummert,“ da muss„ein neid'scher Dämon ihr die Wonne des heiss erflehten Augenblicks verbittern.“ Und als gar das Unglück über sie zusammenbricht, als ihr die Leiche des ermordeten geliebten Sohnes überbracht wird, da bricht sie in Pluch- und Lästerreden aus, wie wir sie nicht stärker in Ödipus fanden:
„So haltet ihr mir Wort, ihr Himmelsmächte? Das, das ist cure Wahrheit? Wehe dem, Der euch vertraut mit redlichem Gemüt!“
So beginnt sie, und nun berichtet sie dem Chor von ihres Gatten und ihrem eigenen Traum. Beide sind, wie sie meint, nicht in Erfüllung gegangen, und als der Chor, der den ganzen furchtbaren Zusammenhang schon kennt, sie warnt der Zunge verwegenes Toben zu zähmen, da entgegnet sie ihm in stolzer Gottesverachtung:
„Nicht zühmen will ich meine Zunge, laut, Als in den Mond mit einem Pfeil zu schiessen. Wie mir das Ierz gebietet, will ich reden. Vermauert ist den Sterblichen die Zukunft, Warum besuchen wir die heil'gen Häuser Und kein Gebet durchbohrt den ehrnen Himmel. Und heben zu dem Himmel fromme Hände? Ob rechts die Vögel fliegen oder links, Gutmüt'ge Thoren, was gewinnen wir Die Sterne so sich oder anders fügen,
Mit unserm Glauben? So unmöglich ist's, Nicht Sinn ist in dem Buche der Natur,
Die Götter, die hochwohnenden, zu treffen Die Traumkunst träumt, und alle Zeichen trügen.“


