Aufsatz 
Über Sophokles' "König Ödipus" und Schillers "Braut von Messina" / vom ... [Wilhelm Wittich]
Entstehung
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Und ihren Höhepunkt erreicht ihr Lästern, als sie erfahren, dass Don Cesar der Mörder ist:

Was kümmert's mich noch, ob die Götter sich Gethan. Trotz biet' ich ihnen, mich noch härter Als Lügner zeigen oder sich als wahr Zu treffen, als sie trafen. Wer für nichts mehr Bestätigen? Mir haben sie das Argste Zu zittern hat, der fürchtet sie nicht mehr,

mit diesen Worten wendet sie sich an den Hlimmel, und nachdem sie dann erklärt, dass sie von dem Mörder sich scheide, und die Tochter aufgefordert hat das Haus mit ihr zu verlassen, schliesst

sie mit den Worten: Alles dies

Erleid' ich schuldlos; doch bei Ehren bleiben Die Orakel, und gerettet sind die Göôtter! Auch ihre letzten Versuche Don Cesar am Leben zu erhalten zeugen noch von demselben selbstsüchtigen, herzlosen Wesen, das uns überall entgegengetreten ist. Der ersten Bitte an den Unglücklichen:Lebe, mein Sohn! schliessen sich alsbald die herzlosen Worte an:

Ich will den Mörder lieber sehn Des einen Kindes als um beide weinen.

Und wenn sie dann auch versichert, er solle keinen Vorwurf von ihr hören, wenn sie auch klug ihm rät, wie er die Gottheit durch die Gnadenmittel der Kirche versöhnen könne, so tritt doch ihr Ich alsbald wieder hervor, wenn sie ihn aunfleht:

Lebe, mein Sohn! Lass deine Mutter nicht Freundlos im Land der Fremdlinge zurück, Rohherziger Verhöhnung preisgegeben, Weil sie der Söhne Kraft nicht mehr beschützt. Noch deutlicher zeigt es sich in der Bitte: Lebe, mein Sohn! Für deine Mutter lebe! Ich kann's nicht tragen, alles zu verlieren! und auch der letzte Versuch, durch die Tochter auf den Sohn zu wirken, klingt selbstsüchtig aus

in den Worten: Flel' ihn, dich oder niemand wird er hören, Dass er den Stab nicht raube dir und mir.

Es sind die letzten Worte, die wir von ihr vernehmen; auch sie sind wirkungslos, Sie bleibt mit der Tochter allein in der Welt zurück; sie muss noch leben, um zur Erkenntnis ihrer schweren, durch ihr ganzes Leben sich hinziehenden Verschuldung zu kommen, die die schwerste im Stück ist, weil sie am meisten auf bewusstem Handeln beruht, am wenigsten von der Leidenschaft beeinflusst war, die aber darum gerade am schwersten sich selbst zu erkennen bereit ist. Nur einmal haben wir die Stimme ihres Gewissens gehört, sie hat dieselbe alsbald erstickt und betäubt; der Kummer um den Verlust der beiden Söhne, das Mitgefühl der unglücklichen, am wenigsten schuldigen Tochter wird sie endlich zur Selbsterkenntnis und zur Versöhnung mit sich und ihrem Gott gelangen lassen.

Ich habe mich etwas ausführlicher mit Charakter und Schuld der Isabella beschäftigen müssen, weil diese selbst ihre Schuld am meisten leugnet, weil ihr Charakter hinter der schönen und mächtig wirkenden Erscheinung, hinter dem klugen und prunkenden Wort sich leichter versteckt; mit der Betrachtung der übrigen Personen können wir kürzer sein.

Die Brüder sind ein tapfres Heldenpaar, des Landes Stolz, voll Herrscherkraft und darum auch von ihren Anhängern als Herrscher gechrt. Aber die Sünde der Eltern hat sich an ihnen