Aufsatz 
Über Sophokles' "König Ödipus" und Schillers "Braut von Messina" / vom ... [Wilhelm Wittich]
Entstehung
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Hasses, wenn nicht veranlasst, so mindestens nicht gehindert und seine Entwickelung nicht gehemmt, so dass er immer furchtbarer angewachsen und den Edlerdenkenden zu einem Greuel geworden ist.

Schaudernd hört' ich oft und wieder Von dem Schlangenhass der Brüder,

so hören wir Beatrice klagen, alsihr Schreckensschicksal, wie sie weiter fortfährt, siedie Arme, Rettungslose, in den Strudel dieses Hasses, dieses Unglücks hineinreisst, indem Don Cesar ihr eben seine Liebe erklärte und ihr sagte, dass er der Fürst von Messina sei.

So sind denn nach des Fürsten Tode, als keine Gewalt mehr ihres Hasses Ausbrüche zurückhielt, furchtbare Thaten geschehn; die Fürstin selbst gesteht es den Altesten von Messina zu:

Messina teilte sich, die Bruderfehde

Löst' alle heil'gen Bande der Natur,

Dem allgemeinen Streit die Losung gebend;

Schwert traf auf Schwert, zum Schlachtfeld ward die Stadt, Ja, diese Hallen selbst bespritzte Blut.

Nehmen wir dazu die Worte des Chors:

Auf der Lava, die der Berg geschieden, Möcht' ich nimmer meine Hütte bauen, Denn zu tief schon hat der Hass gefressen, Und zu schwere Thaten sind geschehn, Die sich nie vergeben und vergessen.

und jene anderen:

Greuelthaten ohne Namen, Schwarze Verbrechen verbirgt dies Haus.

und ferner die Worte Beatricens:

Wehe mir! In welche Hand Hat das Schicksal mich gegeben! Unter allen,

Welche leben,

Nicht in diese sollt' ich fallen! Jetzt versteh' ich das Entsetzen, Das geheimnisvolle Grauen,

Das mich schaudernd stets gefasst, Wenn man mir den Namen nannte Dieses furchtbaren Geschlechtes, Das sich selbst vertilgend hasst, Gegen seine eignen Glieder Wütend mit Erbitt'rung rast!

nehmen wir dies alles, wie gesagt, zusammen, so bekommen wir schon ein so volles Mass schwerer Verschuldung von Mutter und Söhnen, dass damit die Behauptung der verblendeten Mutter:

Dies alles erleid' ich schuldlos.

ebenso widerlegt ist wie die daran sich schliessende verkehrte Auffassung der Litteraturhistoriker, es handle sich hierum einen im tiefsten Grunde monströs zu nennenden Schicksalsspruch, welcher die handelnden Personen wider Neigung, Anlage, Gemütsrichtung und Verhältnisse, mit einem Worte