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erklären, sie müssten selbst sich raten und einem anderen Herrn sich übergeben, wenn es der Mutter nicht gelinge, der Söhne blutigen Hader zu stillen. Unnatürlicher Hass entzweit die Brüder Don Manuel und Don Cesar. In ihre frühste Kindheit reicht derselbe, wie wir von der Mutter hören, hinauf. Sie wissen nicht, was sie zuerst entzweite; und fänden sie's auch aus, sie würden sich des kind'schen Haders schämen. Vom Cbor freilich erfahren wir eine geheimnisvolle innere Ursache dieses Hasses, des Ahnherrn Fluch hat ihn geschaffen:
„Auch ein Raub war's, wie wir alle wissen,
Der des alten Fürsten ehliches Gemahl
In ein frevelnd Ehebett gerissen,
Denn sie war des Vaters Wahl.
Und der Ahnherr schüttete im Zorne
Grauenvoller Flüche schrecklichen Samen
Auf das sündige Ehebett aus.
Greuelthaten ohne Namen,
Schwarze Verbrechen verbirgt dies Haus.“
So hören wir von Berengar, und Cajetan, der Führer des ersten Chors, fährt fort:
„Ja, es hat nicht gut begonnen,
Glaubt mir, und es endet nicht gut;
Denn gebüsst wird unter der Sonnen
Jede That der verblendeten Wut.
Es ist kein Zufall und blindes Los,
Dass die Brüder sich wütend selbst zerstören; Denn verflucht ward der Mutter Schoss,
Sie sollte den Hass und den Streit gebären.“
Wollten wir den Worten der Fürstin gegen Ende des Stückes glauben, so müssten wir annehmen, dass sie nur gezwungen des jungen Fürsten Weib geworden: „Komm', meine Tochter,“ Sagt sie,„hier ist unsres Bleibens Nicht mehr— den Rachegeistern überlass' ich Dies Haus.— Ein Frevel führte mich herein, Ein Frevel treibt mich aus.— Mit Widerwillen Hab' ich's betreten und mit Furcht bewohnt, Und in Verzweiflung räum' ich's.— Alles dies Erleid' ich schuldlos.“
Aber so wenig die letzten Worte richtig sind, so wenig dürfen wir dem vorher Gesagten trauen. Ohne ihr Einverständnis konnte sie wohl schwer dem alten Bräutigam entrissen, noch schwerer des Jüngeren Gattin werden. Ohne Schuld durfte sie des Ahnherrn Fluch nicht treffen. War sie nur durch Zwang des Sohnes Weib geworden, so konnte sie nicht eine solche Trauer über seinen Tod heucheln, wie sie den Altesten von Messina gegenüber zur Schau trägt, dann durfte sie ihn den kundigen Männern gegenüber nicht als„ihres Lebens Licht und Ruhm“ bezeichnen. Sie fühlte sich zum Herrschen geboren, darum zog sie es vor, des jungen Fürsten Gemahlin zu werden, der ihr eine längere Zeit des Herrschens in Aussicht stellte. Wie ihn wohl die Schönheit des Weibes gereizt hat, so hat sie die Süssigkeit der Herrschaft verlockt sich mitschuldig zu machen dem Vater gegenüber. Solcher Ehe kann kein Segen entspriessen; es hat sich ja nicht Herz zu Herz gefunden, beide Teile haben nur ihrem selbstsüchtigen Streben genügen wollen. Wie lässt sich da ein guter Einfluss auf die Kinder erwarten? Wohl nicht erst nach der Tochter vermeintlichem


