Aufsatz 
Zu Göthes Tasso / vom ... Wittich
Entstehung
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früh an ihr bewährt; Geduld bleibt ihr allein, wie sie der Gräfin sagt, wenn sie den Freund ent-

behren muss. Was mir bleibt?

Geduld, Eleonore! Üben konnt' ich die Hielt Krankheit mich auf meinem Zimmer fest, Von Jugend auf. Wenn Freunde, wenn Geschwister Und in Gesellschaft mancher Leiden musst' Bei Fest und Spiel gesellig sich erfreuten, Ich früh entbehren lernen.

So wird sie dulden, nachdem ihr Tasso sich selbst auf ewig geraubt hat;Sie muss ihn lassen, doch verlassen kann ihr Herz ihn nicht.

Und wie stellt sich uns der Herzog dar? Ist er der einzige, dem wirkliches, warmes Leben fehlt? Ist er nur ein Gattungsbild, kein scharf ausgeprägtes Einzelwesen? Ist er nur der Fürst

an sich, ohne besondere persönliche Eigenschaften? Er ist der Herrscher, der über allen steht. Er

greift nicht bestimmend in den Gang der Handlung ein. Er ist noch weniger Hauptperson als Leonore Sanvitale. Aber er ist kein Schattenbild, kein verkörperter blosser Gedanke, so wenig, als es die vier anderen Personen des Stückes sind. Sein Land ist eng, sein Wirkungskreis kein ausgedehnter, aber er füllt denselben vollkommen aus.Ferrara wird durch seine Fürsten gross,

hören wir von der Gräfin, und sie fährt fort:

Ein edler Mensch zieht edle Menschen an Und weiss sie festzuhalten, wie ihr thut. Um deinen Bruder und um dich verbinden Gemüter sich, die euer würdig sind,

Und ihr seid eurer grossen Väter wert.

Für alles edel Männliche ist er Tassos Vorbild, bei der Schilderung alles Heldenhaften sein Ratgeber gewesen:

Der thatenlose Jüngling nahm er wohl Und wie sich List und Wachsamkeit bekämpft, Die Dichtung aus sich selbst? Diekluge Leitung Hast du mir nicht, o kluger, tapfrer Fürst, Des raschen Krieges hat er die ersonnen? Das alles eingeflösst, als wärest du

Die Kunst der Waffen, die ein jeder Held Mein Genius, der eine Freude fände

An dem beschiednen Tage kräftig zeigt, Sein hohes, unerreichbar hohes Wesen

Des Feldherrn Klugheit und der Ritter Mut, Durch einen Sterblichen zu offenbaren? Er kennt die Welt, er weiss, wie schwer es ist, in Rom etwas zu erhalten. Er würdigt voll das Verdienst Antonios, der seine Aufgabe zur Zufriedenheit gelöst. Seiner Persönlichkeit

schreibt der Staatsmann das Entgegenkommen des Papstes in erster Linie zu:

Dich ehrt Gregor und grüsst und segnet dich. Da er in seinen Arm dich schloss. Der Mann, Der Greis, der würdigste, dem eine Krone Der Männer unterscheidet, kennt und rühmt Das Haupt belastet, denkt der Zeit mit Freuden, Dich hoch. Um deinetwillen that er viel.

Auch den Einzelnen beurteilt er richtig. Wie treffend ist sein Urteil über Tasso. Aus seinen Worten bekommen wir ein deutliches Bild von dem Dichter, ehe derselbe vor unsere Augen tritt. Er würdigt ganz den hohen Wert der Dichtkunst. Schon darum möchte er Tasso nicht ziehen lassen. Er spricht das schöne Wort aus:

Ein Feldherr ohne Heer scheint mir ein Fürst, Und wer der Dichtkunst Stimme nicht vernimmt, Der die Talente nicht um sich versammelt; Ist ein Barbar, er sei auch, wer er sei.

Aber auch tiefen persönlichen Anteil nimmt er an Tasso. Mit der Schwester gemeinsam möchte er auf ihn wirken, um ihn bald am gewünschten Ziel zu sehen. In das Leben will er ihn

eingeführt sehen,