— 23—
Konflikt kommen. Sie besitzt Freundschaft für die Prinzessin.„Es jammert sie das edle, schöne Herz.“ Aber leicht erscheint ihr als„traurig Los, das ihrer Hoheit fällt“, was doch durch ihr Verhalten anders werden könnte. Nicht ohne Gewissensbedenken geht sie daran, der Freundin den Geliebten zu entziehen, aber die Sophistik des Herzens, dem seine Wünsche stets am höchsten stehen, weiss das thörichte Ding, das ihr im Busen redet, bald zum Schweigen zu bringen.„Ihr nimmst du nichts“, mit diesem billigen Trost beruhigt sie sich; und mit der Hoffnung, sie werde Tasso auch wieder nach Ferrara bringen, wenn er nur erst ihren Namen verherrlicht wie einst Petrarca seine Laura, hat sie alle Bedenken beschwichtigt, die sich noch geltend machten. Tasso hatte recht, wenn er der Prinzessin sagte: Wenn sie auch Die Absicht hat den Freunden wohlzuthun, So fühlt man Absicht, und man ist verstimmt. Er hat recht, freilich in anderem Sinne, als er's meint, wenn er sagt:
Ich fühl' es leicht, Wenn man den Weg zu meinem Herzen sucht Und es nicht redlich meint.
Zwar ist es ihre aufrichtige Absicht, für den Dichter zu sorgen, wenn er nach Florenz kommt, wenn's ihm fehlt„An tausend Kleinigkeiten, die Zu schaffen eine Frau sich gern bemüht“. Aber nicht um des Dichters willen wird sie so handeln, nur um ihrer selbst willen.
Wie reizend ist's, in soinem schönen Geiste Uns wie auf Himmelswolken trägt und hebt?
Sich selber zu bespiegeln! Wird ein Glück Dann bist du erst beneidenswert; du bist,
Nicht doppelt gross und herrlich, wenn sein Du hast das nicht allein, was viele wünschen— Lied Es weiss, es kennt auch jeder, was du hast.
Mit Bewusstsein täuscht sie den Dichter über die Stimmung der Prinzessin, die ihn gern ziechen lassen werde, wenn sie ihn in der Ferne glücklich wisse. Aber sie soll ihren Zweck, so klug sie auch denselben verfolgt, nicht erreichen, ja sie trägt nur bei zur schnelleren Entwicklung, die auch ihr den Dichter für immer raubt.
Eine ganz andere Natur ist die Prinzessin, die sich mit ihr in den Besitz des Herzens und der Talente teilt, und ungleich teilt, die sie ganz für sich haben möchte. Ebenso tief und innerlich angelegt wie die Gräfin flach und äusserlich, ist sie nur selbstlosester Liebe fähig. Uneigennützig und treu, wird ihr Gemüt, wie es ihn bei seinem ersten Anblick sofort ergriffen, ihn auch ewig halten. Ist ihr Herz doch dem seinen so gleichgestimmt, so zart empfindlich, so abgewandt von allem Kusserlichen, so begeistert für alles Hohe und Edle, so tiefer Empfindung fähig. Ein Urbild zartester Weiblichkeit, weiss sie genau, was sich ziemt; ihr ist die edle Sitte angeboren; sie wird stets wissen, wie sie sich zu verhalten hat; wenn ihrem Rate Tasso folgte, wäre er wohl behütet, könnte er in sich die goldne Zeit von neuem schaffen und mit ihr sie geniessen.
Schüchtern verdeckt sie ihre Liebe zu dem Dichter; erst als sie in äusserster Besorgnis um ihn ist, gesteht sie ihrer Freundin ihr Gefühl für ihn. Tasso selbst giebt sie unzweideutige Beweise ihrer Gesinnung, sobald er der Aufrichtung durch sie bedarf. Als das Zusammentreffen mit dem heimgekehrten Antonio den ersten tiefen Zwiespalt in des Geliebten Seele geworfen, wie lässt sie ihn da in süsser Erinnerung schwelgen an die Stunde, da sie zum ersten male einander


