Aufsatz 
Zu Göthes Tasso / vom ... Wittich
Entstehung
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zugleichdie sichern Worte des erfahrnen Mannes. Er verzweifelt fast in Antonio einen neuen, klugen Freund zu finden, aber er gesteht gern zu: 7

Wie lehrreich wäre mir sein Umgang, nützlich Sein Rat, in tausend Fällen! Er besitzt, Ich mag wohl sagen, alles, was mir fehlt.

Wohl sind seine Worte:

Dich kenn' ich nun und deinen ganzen Wert.

von dem Urteil der Prinzessin und dem Bestreben beeinflusst des Mannes Freundschaft im Sturme zu erobern; aber selbst als dieser sein Drängen schon mehrfach zurückgewiesen und den Unmut in ihm wachgerufen, ist er noch der Anerkennung fähig: Ich weiss, dass du das Gute willst und schaffst. Dein eigen Schicksal lässt dich unbesorgt, An andre denkst du, andern stehst du bei, Und auf des Lebens leicht bewegter Woge Bleibt dir ein stetes Herz So seh' ich dich. Er fordert seine Freundschaft noch einmal mit den Worten: Tritt nicht zurücklund weigre dich nicht länger, Die schönste guter Menschen, sich dem Bessern O edler Mann, und gönne mir die Wollust, Vertrauend ohne Rückhalt hinzugeben. Freilich vermag er ihn nachher nicht schwarz genug zu malen. Aber wer ist vor seinem Tadel, seiner Lästerung sicher, als ihn die Verblendung ergriffen? Am Schlusse, als er wieder zu sich selbst kommt, sieht er ein, wie sehr er ihn verkannt. Die letzten Worte des Stückes enthalten die höchste Anerkennung aus des bisherigen Gegners Mund:

Ich fasse dich mit beiden Armen an! So klammert sich der Schiffer endlich noch Am Felsen fest, an dem er scheitern sollte.

Haben alle mithandelnden Personen sich in Antonio getäuscht? Stellt er sich uns, den Zuschauern, den Lesern anders dar? Ilaben die Erklärer recht, die in ihm den selbstsüchtigen, kriechenden Höfling erblicken wollen? Nein, Antonio ist eine edle Natur. Er ist ein Mensch und weiss, dass nichts Menschliches ihm fremd ist. Er missgönnt zuerst dem Dichter den Lorbeer,den man allein Dem Hochverdienten gerne gönnen mag, er beneidet ihn um die Gunst der Frauen, jenen andern Schatz,den man mit dem Höchstverdienten Mit gutem Willen niemals teilen wird; er setzt dem zudringlichen Werben des Dichters um seine Freundschaft zuerst Gemessenheit, dann Kälte und schroffe Härte entgegen; aber er sieht sein Unrecht ein, er bekennt es dem Fürsten wie der Gräfin, er bittet Tasso selbst um Verzeihung; er ist aufrichtig bemüht ihm zu dienen; er froh- lockt nicht bei des Dichters Fall, er ist der letzte feste Halt, an dem sich dieser wieder vom schweren Fall emporrichtet.

Eine gewisse Khnlichkeit mit ihm hat die Gräfin, insofern sie wie er mitten im Leben steht und leicht sich darin zu bewegen weiss. Auch sie ist keine unedle Natur, wenngleich sie niedriger steht als dio anderen. Schön und klug und liebenswürdig, weiss sie leicht für sich zu gewinnen. Sie nimmt auch warmen Amteil am Geschicke anderer, aber ihr Gefühl geht nicht tief. In erster Linie steht ihr Ieh; die Selbstsucht behält die Oberhand, wo edlere Regungen mit derselben in