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gebracht werden soll. Göthe erzählt von den Schmerzen eigener Art, welche ihm der Abschied von Italien gemacht; er schildert, wie die Ovidschen Verse, in welchen der unglückliche Dichter dem Schmerz seiner Trennung von der Heimat Worte leiht, sich zwischen seinen Empfindungen immer auf- und abgewälzt hätten, wie er zuerst beinahe nichts habe ansehen mögen, um sich in dieser süssen Qual nicht stören zu lassen, wie ihm dann aber zum Bewusstsein gekommen, wie herrlich die Ansicht der Welt sei, wenn man sie mit gerührtem Sinne betrachte. So sei er wieder an die Bearbeitung des Tasso gegangen und habe in den Lust- und Prachtgärten von Florenz die Stellen geschrieben, die ihm noch jetzt jene Zeit, jene Gefühle unmittelbar zurückriefen. Dem Zustand dieser Tage schreibt er die Ausführlichkeit mancher Stellen zu und fährt fort:„Wie mit Ovid dem Lokal nach, so konnte ich mich mit Tasso dem Schicksal nach vergleichen. Der schmerzliche Zug einer leidenschaftlichen Soeele, die unwiderstehlich zu einer unwiderruflichen Verbannung hingezogen wird, geht durch das ganze Stück. Diese Stimmung verliess mich nicht auf der Reise, trotz aller Zerstreuung und Ablenkung u. s. w.“ Also es ist die Stimmung des Dichters Göthe, die sich auf sein Stück, d. h. auf die Stimmung desselben, den äusseren Charakter überträgt, aber es ist nicht der Grundgedanke, auf dem das Ganze aufgebaut ist; dann hätte derselbe auch nicht erst beim Abschied von Rom sich bilden dürfen, wenn nicht etwa von dort aus ein ganz neuer Aufbau der Tragödie Tasso zu datieren wůre. Bekanntlich war aber die Umarbeitung des nach Italien mitgenommenen Entwurfes schon im März 1787„im Walfischbauch“, bei seiner Überfahrt von Neapel nach Palermo, ziemlich gediehen; ausserdem spricht ja Göthe selbst nicht von einem oder dem Grundgedanken des Stückes, sondern von der Stimmung, die durch dasselbe hindurchgehe. „Dies ist das Eigene“, fährt Vilmar bei der Anführung der eben betrachteten Stelle aus der Italienischen Reise fort,„welches der Dichter nach seiner wiederholten Erklärung in das Drama wirklich eingewebt hat.“ Ich muss gestehen, dass ich viel mehr von Göthes„Eigenem“ darin zu finden glaube. Gerade der Grundgedanke des Stückes ist sein Eigenes, und danach musste sich sein Tasso in allen handelnden Personen in mancher Beziehung anders gestalten, als die Geschichte dieselben erscheinen lässt. Göthe hat selbst den Tasso einen gesteigerten Werther genannt. Wie diese Dichtung ist unser Drama aus des Dichters eigenen äusseren, und besonders inneren Erlebnissen hervorgewachsen, war die eine Aufgabe der dichterischen Thätigkeit die innere Selbstbefreiung Göthes, die UÜberwindung von Irrtum und Schwäche, die auch ihm den Unter- gang gedroht hatten. Das ist sein Eigenes, was er hineingelegt. Seine Verhältnisse am Hofe zu Weimar, besonders seine Stellung zu der Frau von Stein, haben wesentlich mitgewirkt zur Gestaltung des Ganzen, jedoch durchaus nicht so, dass wir in Alfons den Grossherzog, in der Prinzessin die Frau von Stein, in der Gräfin die Branconi, in Antonio Herder oder den Grafen Görtz wiederzufinden hätten. Das würe ein schlechter Dichter, der so kopieren wollte. Aber er rückt seinen Tasso in
seine Zeit, da er für diese schreibt. Denn das ist die andere Aufgabe, die sich Göthe bei seiner
dichterischen Thätigkeit gestellt hat: was er als Wahrheit erkannt, nun auch anferen mitau-
teilen, wie er es in seiner Zueignung ausspricht:
Verzeih' mir, rief ich aus, ich meint' es gut; Für andre wächst in mir das edle Gut,
Soll ich umsonst die Augen offen haben? Ich kann und will dasPfund nicht mehr vergraben! Ein froher Wille lebt in meinem Blut; Warum sucht' ich den Weg so sehnsuchtsvoll, Ich kenne ganz den Wert von deinen Gaben! Wenn ich ihn nicht den Brüdern zeigen soll?


