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der Tertiärzeit bildete dieser Graben einen schmalen, nach Süden offenen Meeresarm, später wurde die Verbindung mit dem Meere unterbrochen und das nunmehr abgeschlossene Becken allmählich ausgesüsst. Die Zuflüsse von den Alpen und den Randgebirgen — also wesentlich der Rhein und seine Nebenflüsse— haben zur Diluvialzeit das Becken mit ihren Geschieben bis weit über den heutigen Wasserspiegel erfüllt. Diese Schichten— Gerölle, Kies, Schotter— bilden daher die Sohle der Rheinebene. Das allmähliche Absinken des Wasserspiegels während der Diluvial- zeit(Rheindurchbruch bei Bingen) markiert sich am Gebirgsrand (auch an den niederen Höhen in Rheinhessen) durch mehrere Terrassen. Infolge des Kontinentalklimas der jüngeren Dilu- vialzeit wurde die oberrheinische Ebene zur Steppenlandschaft. Durch den Rückgang des fliessenden Wassers und die Abnahme der Bodenfeuchtigkeit trockneten die diluvialen Ablagerungen mehr und mehr aus; heftige Winde wehten aus ihnen Sand und Staub aus und trugen ihn landeinwärts. In der Nähe der Ur- sprungsstätte wurden die grösseren und schwereren Körner in dünenartigen Wällen angehäuft, die an manchen Stellen bis zu 20 m Höhe ansteigen. Gegen das Gebirge hin nahm die Korn- grösse ab; auf die Höhen selbst konnte der Wind nur noch die staubfeinen Teile hinauftragen. Die so gebildeten Sandanhäufungen werden ibrer Entstehung nach als Flugsand bezeichnet, die Ab- lagerungen des Feingutes auf dem Gebirge bilden den Löss. Spätere Abschwemmung sowie Verwitterung haben den Löss zu Lösslehm umgewandelt, der sich durch hohe Fruchtbarkeit aus- zeichnet.
Der vom Flugsande bedeckte Teil der Rheinebene bildet eine 6 km breite und etwa 35 km lange, fast nur mit Wald bedeckte Fläche. Westlich des Flugsandgebietes breitete der Rhein seine alluvialen Ablagerungen aus; dieser Landstrich, das Ried, zeichnet sich durch grosse Feuchtigkeit aus und ist infolge- dessen meist mit Wiesen bedeckt.
Im Osten reichte der Flugsandrücken ursprünglich bis zur Bergstrasse. Später wurde das Gebiet längs der Bergstrasse vom Neckar durchflossen und allmählich von dessen Lehm- und Schlammablagerungen(Schlick) bedeckt. Die zahlreichen Schleifen seines vielgewundenen Laufes boten Gelegenheit zur Torfbildung, so bei Bickenbach, Pfungstadt u. s. f. Bei diesen beiden Orten durchbrach der Neckar in nordwestlichem Lauf den Wall des Flugsandes und trennte so ein nördliches und südliches Sand-


