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scheste, wie wir aus den verschiedenen Schriften des Cicero ersehen 4). Manche Römer mochten ihn wie Q. Metellus Numidicus noch in Athen hören ²). Ob Klitomachus, sein berühmtester Schüler, in Rom war, wissen wir nicht, dass er aber mit angesehe- nen Römern bekannt war, geht daraus hervor, dass er dem Consul des Jahres 149, L. Censorius, sowie dem Dichter Lucilius Schriften widmete ³). Als Anhänger der Lehre des Karneades wird auch der berühmte Catulus bezeichnet*). Welchen grossen Ein- fluss Philo, der Schüler und Nachfolger des Klitomachus, und Antiochus, der Schü- ler des Philo, der Freund und Begleiter des Lucullus, die beide längere Zeit in Rom lebten und ihre Lehre unter den Römern verbreiteten, auf die philosophischen Studien der letztern hatten, wissen wir aus vielen Zeugnissen 5). Weniger Anhänger als der Stoicismus und die Lehre der neuern Akademie fand die peripatetische Schule unter den Römern), viele dagegen die Lehre des Epicur 7), die schon vor unserer Gesandtschaft ihre Vertreter in der Hauptstadt hatte. Dass ausser dem Unterricht der griechischen Lehrer, dem Studium griechischer Schriften, dem Umgang mit gelehrten Griechen zugleich Vorlesungen und Vereine zu wissenschaftlichen Zwecken ³) dazu dienten, der Philo- sophie neue Freunde und Verehrer zu gewinnen, ersehen wir theils aus den philoso- phischen Schriften Ciceros, die uns in jene Zeiten zurückversetzen und die einst gehal- tenen Gespräche wiedergeben wollen, theils liegt es in der Natur der Sache.
Aus der grossen Anzahl derer, die sich seit der zweiten Hälfte des zweiten Jahr- hunderts der griechischen Philosophie und Wissenschaft überhaupt zuwenden, ist abzu- nehmen, dass die frühern Vorurtheile hinsichtlich der letztern nicht mehr in gleichem Grade bestanden. Unsere drei Philosophen trugen zur Beseitigung derselben nicht we- nig bei. Sie zeigten auf's Deutlichste, welche kräftigen Mittel, welche mächtigen Hebel jene dem Staatsmann, dem Rechtskundigen, dem Redner an die Hand gaben. Seit Kur- zem hatte das Reich nach Osten hin grossen Zuwachs erhalten, in der nächsten Zeit
¹) Letzterer gedenkt seiner an sehr vielen Stellen, nimmt überall auf seine Lehre Rücksicht und folgt
selbst bei seinem Philosophiren dem Erkenntnissprincip und der Methode des Karneades; Tusc. V, 4. 2) Cic. de orat. III, 18, 68..
²) Cic. Acad. II, 32, 102, 4) Eb. II, 48, 148.
5¹) Vgl. Orelli, Onom. p. 454 und p. 42, ausserdem Zeller III, 1, 522 über Philo, S. 530 über Antiochus.
³) Zu ihr wird namentlich M. P'upius Piso, der Schüler des Neapolitaners Staseas, gerechnet. Auch M. Crassus wird unter die Peripatetiker gezählt. Ritter IV, 82.
⁷) Cic. Tusc. IV, 3; vgl. Ritter IV, 86 ff.
6) S. Cic. Lael. 2, 7.


