46
bei deren Verwerfung oder Annahme man früher sehr vorsichtig gewesen. Man habe unter Leitung dieser Philosophie den eigentlichen Nutzen des philosophischen Studiums eingebüsst, namentlich habe die Jugend, die sich grade dieser Schule mit besonderer Vorliebe zugeneigt, grossen Nachtheil von der Lehre derselben gehabt, indem sie sich von den ethischen und politischen Wissenschaften zu den eiteln, leeren Spitzfindigkeiten der Akademie hingewandt ¹4). Doch kamen diese Uebertreibungen und Lächerlichkei- ten, deren sich insbesondere die Jugend schuldig machte, bald wieder aus der Mode. Schon die unmittelbaren Schüler des Karneades fingen an, ein grösseres Gewicht auf die Wahrscheinlichkeit als auf die Ungewissheit zu legen, zugleich that der praktische Sinn der Römer das Seinige, dass die Zweifelsucht der neuern Akademie in den Eklek- ticismus mündete, der dem Handeln und Denken festere Stützen bot ²).
Viel grösser und zahlreicher waren die guten Wirkungen, welche die Thätigkeit unserer Gesandten in Rom zurückliess, wenn es überhaupt als gut bezeichnet werden muss, dass sie der griechischen Wissenschaft und Kunst in Kreisen Eingang verschaff- ten, in denen man bisher Nichts von beiden wusste und wissen wollte, dass sie von diesen Kreisen aus jenen geistigen Fortschritt, jene veränderte Anschauungs- und Vor- stellungsweise, jene Umbildung des innern Lebens, wie sie durch die griechische Philo- sophie, Sprache, Litteratur seit der zweiten Hälfte des zweiten Jahrhunderts in's Werk gesetzt wurde, einleiten halfen. Fast all' die Schriftsteller, die von unserer Gesandtschaft sprechen, scheinen mehr oder weniger in diesem Sinne von ihr geredet zu haben. Die nationale Partei, von der wir hier und da eine verlorne Stimme hören, dachte freilich anders, sie nannte diese guten Wirkungen schlimme.
Cicero sagt, die Liebe zur Weisheit sei bei den Römern schon früher vorhanden ge- wesen, doch wären Scipio und Lälius die ersten, die man als Verehrer derselben namentlich
1) Die Worte des Polybius, indenen er den verderblichen Einfluss der letztern erwähnt,— vorher hat er von den lächerli chen Untersuchungen gesprochen, zu denen man in Folge der in dieser Schule herrschend gewordenen Zweifelsucht gekommen war—, lauten Exc. Vat. XII, 26: 85 Gy Jr d*- B0Xky Tis S05ooixs eis Suαεονκν α πνν öXy ipeGuv, Grs zal d n⸗ aποοο- Levx αν τoο AvhGtς is dαταν νm⁹νπο ᷑σ ⁷ον us idia, doτο—*ναςα νυησ‿ε oke véoi⸗ 0100Ov SvrET6ZAe, XOv, Gοs Ty by 1Ov e! Tpᷣαιννιικέ A6„ u? riv u⁵οο daxv SIVO2V Fotcts 2t, dt dy rnGς roςᷣ σνοιοροσν, Ʒpt I a⸗ A&vρε αοεκε εαἀ παα‿νραια˙οεονο 2ενHωο(οσ 2evOS05OOvT2 XXe090, O; S1005.
2²) Zeller III, 1, 494 ff.


