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anführen könne ¹). Er hätte sagen sollen, erst mit Scipio und Lälius beginnt die Reihe derer, die eine bessere Weisheit kannten und mehr von der eigentlichen Wissenschaft wussten. In der That waren es die Familien der Aemilier ²), Scipionen, Lälier, Furier, welche allen Andern durch die Liebe zur griechischen Wissenschaft und Bildung vor- leuchteten. Diese Familien waren es aber auch zugleich, die über die Anwesenheit un- serer drei Philosophen in Rom sehr glücklich waren, die ihren Gesprächen lauschten, ihre Lehren begierig aufnahmen, die von ihnen gelegten Keime bei sich bargen und sorgsam pflegten ³). Von Lälius berichtet Cicero, dass er den Diogenes hörte. Viel- leicht zog er ihm nach Athen nach, da die Vorlesungen desselben in Rom seine Lust, aus derselben Quelle noch mehr zu trinken, rege gemacht hatten ⁴). Es ist ferner wohl nicht blos zufällig, dass wir in der nächsten Zeit den ausgezeichnetsten Schüler des Diogenes, Panätius, in dem Hause und in der Umgebung des Scipio antreffen 5). Mit Scipio und Lälius wird öfters L. Furius Philus zusammen genannt ⁶), dem Cicero den Vortrag des Karneades gegen die Gerechtigkeit in den Mund legt?7). Scipio, Lälius und Philus hatten ihre Liebe zur griechischen Philosophie, mit der die gesammte griechi- sche Wissenschaft und Kunst in so enger Beziehung steht, kein Hehl. Sie verbargen sie nicht, was man noch später oft nöthig zu haben glaubte, sie zeigten sie offen. In ihrem Umgange befanden sich die gelehrtesten Männer Griechenlands ³). An Scipio,
1) Tusc. IV, 3, 5: Sapientiae studium vetus id quidem in nostris, sed tamen ante Laelii aetatem et Scipionis non reperio, quos appellare possim nominatim.
²) Aemilius Paulus, der Besieger Macedoniens, gehört unter die ersten Römer, die ihre Kinder zu- gleich von Griechen unterrichten liessen, Plin. II. N. XXXV, 135, vgl. Plut. V. Aem. P. 6. Derselbe scheint auch die erste grössere Büchersammlung in Rom gehabt zu haben, Isid. Orig. VI, 5, 1.
²) Cic. de orat. II, 37, 155 spricht Catulus von P. Scipio, C. Lälius und L. Furius: Atque ego ex istis saepe audivi, cum dicerent, pergratum Athenienses et sibi fecisse et multis principibus civitatis, quod, cum ad senatum legatos de suis rebus maximis mitterent, tres illius actatis nobilissimos phi- losophos misissent, Carneadem et Critolaum et Diogenem. Itaque eos, dum Romae essent, et a se et ab aliis frequenter auditos etc.
4) Cic. de fin. II, 8, 24: Nec ille, qui Diogenem Stoicum adolescens, post autem Panaetium audierat, Laelius etc.
6) Suid. IIzvæxir. Nach Cic. de div. I, 3, 6 war auch Antipater der Lehrer des Panätius. Von letzterm als Hausgenossen des Scipio und Lälius s. Cic. pro Mur. 31, 66; defin IV, 9, 23; off. I, 26, 90; II, 22, 76; Gell. N. A. XVII, 21, 2 u. s.
³) So Cic. de rep. III, 3, 5: Aut quid P. Scipione, quid C. Laelio, quid L. Philo perfectius cogitari potest? qui— ad domesticum majorumque morem etiam hanc a Socrate adventiciam doctrinam adhi- buerunt. ⁷) Eb. 5, 8.
*) De orat. II, 37, 154:— et certo non talit ullos haec civitas aut gloria clariores aut auctoritate gra-


