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dieses Urtheil natürlich keinen Massstab weder für den Werth der Dialektik über- haupt noch für die des Diogenes ab. Antonius ist kein Freund der Philosophie. Er verlangt für das Volk derbere Nahrung. Ein Redner, der der Menge gefallen, die Ge- müther erregen, die Gründe nicht auf der Goldwage, sondern auf der gewöhnlichen Wage, die Jedermann gebraucht, abwägen soll, konnte freilich von der Rhetorik und Dialektik des Diogenes keinen Gebrauch machen, nach dessen Ansicht die Wahrheit der Massstab war, nach dem der Redner seine Aufgabe bemessen soll, der es für nichtswürdig hielt, die Leidenschaften unverständiger Menschen zu erregen und durch falsche Vorspiegelungen und elenden Schein den Beifall der Zuhörer zu gewinnen. Neben der Logik und Dialektik war es die Ethik mit den Nebengebieten der Po- litik und Oekonomik, denen Diogenes seine Aufmerksamkeit widmete. Nach den weni- gen Andeutungen, die uns über seine hierher gehörigen Meinungen überliefert worden sind, gehört er nicht zu jenen strengen Stoikern, die Alles auf die Spitze stellten, die die Tugend allein werthschätzten, die die Gleichheit aller Sünden behaupteten, die nur von zwei Menschenklassen, Weisen und Narren, und was dergleichen mehr war, sprachen. Trotz seiner ernsten Studien wusste er die Wege zu finden, die von der Höhe der Wissenschaft zu dem wirklichen Leben herabführen. Es geht dies daraus hervor, dass er dem Nützlichen einen so grossen Platz einräumte, dass er weit unbefangener als andere Stoiker eine Reihe von sittlichen Controversen behandelte, dass er ein tieferes Verständniss für die verschiedenen Berufsarten und Arbeitszweige der Menschen hatte. Sein Begriff vom Guten und dem höchsten Gute ist nicht sehr verschieden von dem, was die Peripatetiker lehrten. Das Gute ist das Naturgemässe in seiner Vollkommen- heit. Der Entzweck des Menschen wird durch eine vernünftige Auswahl des Natur- gemässen erreicht, die Vernunft also ist es, die uns unser Ziel finden lässt ¹). Das Sittlichgute hat einen absoluten Werth, ist um seiner selbst willen zu erstreben 2). Die Tugend hat bei Diogenes wie bei den übrigen Stoikern ³) ihre negative und positive Seite. In ersterer Beziehung wird uns berichtet, dass er den Zorn auf’ Eifrigste be-
¹) Cic. de fin. III, 10, 33: Ego assentior Diogeni, qui bonum defniierit, id quod esset natura abso- lutum; Diog. L. VII, 88: 6 Ly O0v Aio†tvns re*o, Pna r, 10 65XoTirhy Sy 7» a2 τ ⁊⁷. 2) Cic. a. a. 0. 10, 36. ³) Zeller III, 1, 214 ff. 2*


