Aufsatz 
Über die Sendung drei berühmter Philosophen von Athen nach Rom im Jahre 155 v. Chr / Wiskemann
Entstehung
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hätten die Gesandten benutzt, um den Demosthenes für sich zu gewinnen. Letzterer wäre nun am folgenden Tage mit dicht umwickeltem Halse und Nacken in der Volks- versammlung erschienen und habe es unter dem Vorgeben, an einer Halsentzündung zu leiden, verweigert, gegen die Gesandten zu sprechen. Einer aus der Versammlung hätte ihm indess zugerufen, nicht durch Krankheit, sondern durch Geld sei ihm die Kehle zugeschnürt 4). Demosthenes habe selbst die Sache später nicht Hehl gehabt und sich mit dem Schauspieler Aristodemus zusammengestellt, der ein Talent erhalten, um zu reden, während er mehr bekommen habe, um zu schweigen ²).

Mehr als von Kritolaus wissen wir von dem Stoiker Diogenes. Er führt den Beinamen des Babyloniers ³), wiewohl er aus Seleucia stammt). Wie es scheint, ge- wann ihn Zeno aus Tarsus für die Philosophie ³), doch wird er auch ein Schüler des Chrysipp genannt ⁵6). Er war der Nachfolger des eben genannten Zeno auf dem Lehr- stuhle der Stoa, den er, wenn Chrysipp um 206 gestorben und Zeno etwa 30 Jahre der Vorstand der Stoiker gewesen ist, gegen 180 bestieg. Ist diese Rechnung auch nur annähernd richtig, so war Diogenes, als er nach Rom ging, schon hochbejahrt, sein Tod aber fiele, wenn er nach Lucian?) 88 Jahre alt wurde, zwischen 150 und 140.

Was uns von der Zahl und dem Inhalt seiner Schriften berichtet wird, lässt ihn als einen vielseitigen Gelehrten und scharfen Denker erscheinen. Seine theologischen Ansichten trug er in seiner Schrift über die Athene ²) und in seinem Buche von der Weissagung) vor. In jener erklärte er die Mythen physiologisch, in diesem sprach er, ähnlich wie sein Lehrer Chrysipp, sein Schüler Antipater und andere, Stoiker, von

¹) A. a. 0O. dixisse se synanchen pati; eo contra Milesios loqui non quire: tum e populo unum exclamasse, non synanchen, quod Demosthenes pateretur, sed argyranchen esse.

²) Ob Etwas und wie viel an der Sache selbst war, lässt sich nicht mehr aufklären. Wie bekannt, sind ähnliche Vorwürfe dem Demosthenes schon von seinem Gegner Aeschines as gomasht und später oft wiederholt worden, s. Pauly, Real-Encykl. inDemosthenes.

²) So Diog. L. VII, 39; 55: Cic. de nat. deor. I, 15, 41; de div. I, 3, 6; Plut. de exil. 14.

4) Diog. L VI, 81.

³) Plut. Alex. virt. 5: Aoyévn r0y BSuXOVOV E24G2 ꝓtopsdv.

6) Cic. de div. I, 3, 6.

7) Macrob. 20. Dies Alter that indess seinen Studien keinen Abbruch. Cic. de senoct. 7, 23: Num Diogenem Stoicum cosgit in suis studiis obmutescere senectus 7

²) Cic. de nat. deor. I, 13, 41.

*¹) Cic. de div. I, 3, 6.