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werden, dass Cato den schädlichen Einfluss der drei griechischen Philosophen für die Römische Jugend fürchtete, so that er dem Kritolaus wenigstens grosses Unrecht. Bemerkenswerth ist noch die Ansicht des letztern über die Beredsamkeit. Wie-
wohl er selbst trefflich sprach, seine Rede Fülle und Rundung hatte und von feinem Geschmack zeugte ¹), so hielt er doch die Rhetorik weder für eine Kunst noch Wissen- schaft, sondern nur für eine Sache der Uebung ²). Aristoteles hatte sie für einen Theil der Dialektik erklärt und in enge Beziehung zur Ethik und Politik gesetzt 8). Kritolaus wandte gegen diese Auffassung viel ein 4) und hielt es auf diesem Punkte vielmehr mit Plato 5) und einer Anzahl der spätern Akademiker ⁵5), trotzdem meint Cicero, Kri- tolaus als Schüler des Aristoteles hätte dem praktischen Redner eher als sein Mitge- sandter Diogenes einen fruchtbaren Unterricht ertheilen können*). Vielleicht verband Kritolaus seine Angriffe auf die Rhetorik mit Angriffen auf die Redner. Von einem solchen, der sich auf den Demosthenes bezog, lesen wir bei Gellius ³). Einst waren, wie Kritolaus erzählt hatte, Gesandte aus Milet gekommen, um dem Athenischen Volke eine Bitte vorzutragen. Als sie in der Volksversammlung gesprochen, sei Demosthenes wider sie aufgetreten und habe gezeigt, dass die Milesier weder der erbetenen Hülfelei- stung würdig seien, noch dass es im Interesse der Athener liege, die Hülfe zu gewäh- ren. Die Entscheidung sei auf den andern Tag verschoben worden. Diesen Aufschub
¹) Cic. de fin. V, 5, 14:— redundat oratio; Gell. VII. 14:— dicebat— scita et teretia.
²) Quintil. Inst. orat. II, 15, 23: Quidam eam neque vim neque scientiam neque artem putaverunt, sed Critolaus usum dicendi, nam hoc rp significat; vgl. X, 7, 11.
³) Rhet. l, 2, 7. S. mehr bei Westermann I,§. 70 und 83.
¹) Quintil. II, 17, 14: Aristoteles— de arte rhetorica tres libros scripsit, et in eorum primo non artem solum eam fatetur, sed ei particulam civilitatis, sicut dialectices, assignat. Multa Critolaus contra.
*) Sext. Emp. adv. Rhet. II, 12: dεέκι ¼†νιν †οο ναν oi regt KprréAxov rAv IIegrady zal 0X TS2oy oi ept IDArGV, eic OOo AvSvrgs Eadνιισσν 1ny O Xxe,v„ bAOy 7 T6,vV 2eoréZHay. Ueber die Platonische Ansicht vgl. Phaedr. 260, E. u. ds. Stallb.; 270, B; Phileb. p. 55, E; Gorg. 463, B; 501, A.
*) Sext. Emp. a. a. 0. p. 20 fl: 0i èE Teft r0y KprréNxov xæb oi Aν τν1ꝛ Axadnbicc, ey ole 20r1 Kerrö*†οο νκε Xeοε˙Qνς. x. 2. Vgl. Fabricius z. d. St.
⁷) De orat. II, 38, 160: Critolaum istum, quem simul cum Diogene venisse commemoras, puto plus
huic studio nostro prodesse potuisse. s) XI, 9.


