Aufsatz 
Heinrich Wiskemann's Untersuchungen über den römischen Schauspieler Q. Roscius Gallus
Entstehung
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auch ausgezeichnete Schauspieler, wie namentlich unser Roscius war, damit sie Rom erhalten wurden und nicht jeden Augenblick dem Zufalle und der Laune des Schicksals ausgesetzt waren, vom Staate einen Gehalt beziehen. Doch soweit über den äussern Lohn des Roscius, der auch nach dem niedrigsten Satz, wie ihn Cicero angiebt, jährlich gegen 16 18,000 Thaler betrug.

Ein noch schönerer Lohn wurde ihm indess in der Achtung und Freundschaft nicht bloss des Volkes, sondern selbst der angesehensten und gebildetsten Männer seiner Zeit zu Theil ¹). Von Cicero haben wir schon gehört, dass er Schüler, Freund und eifriger Vertheidiger des Roscius war ²). Dass letzterer ausserdem mit den ersten Rednern seiner Zeit, einem Crassus, Antonius u. A. bekannt war, davon liefert uns Cicero in den aus dem Redner an- geführten Stellen hinlängliche Beweise ³). Ferner berichten uns Plutarchi und Macrobius, wie sehr unser Künstler von Sulla geliebt wurde*). Auf einen weitern Kreis von Freunden

1) Val. Max. VIII, 7: Quapropter non ludicra ars Roscium, sed Roscius ludicram artem commendavit nec vulgi tantum favorem, verum etiam principum familiaritatem amplexus est. Haec sunt attenti et anxii et nun- quam cessantis studii praemia, propter quae tantorum virorum laudibus non impudenter se persona histrionis inseruit. Ueber die inſamia der Schauspieler s. Pauly Infamia Nr. 6; Klotz a. a. O. II, S. 864; Drakenborch zu Liv. VII, 2; Cic. de off. 1, 42, wo die verschiedenen Berufsarteu kurz charakterisirt sind und besonders die Mimen unter die gezählt werden, deren artes minime probantur. Dass viel auf die Persönlichkeit ankam, schliesst man aus Macrob. II, 10: Ceterum histriones non inter turpes habitos, Cicero testimonio est: quem nullus ignorat Roscio et Aesopo histrionibus tam familiariter usum, ut res rationesque eorum sua sollertia tueretur.

*) S. noch Dio Cass. 46, 18: 6Gep ol öproral oi rasς ouxe v 5vOndrv didAαœονεες 3s TOs OExoty.

²) Zwischen der Redekunst des Cicero und der scenischen Kunst des Roscius fanden zu viele Aehnlich- keiten statt. Bei letzterm die Harmonie seines Spiels und die Allseitigkeit, jener sieht nur in der Verbindnng der drei Redegattungen den vollendeten Redner. Ausserdem noch andere Verwandtschaft in MNittel und Zweck. S. besonders Cic. Brutus; Orator; de optimo genere oratorum; Quintil. I, 11; Gell. VII, 14. Welchen Gewinn die Beredsamkeit vom Theater hatte, s. bei Lange S. 34.

) Vit. Sull. C. 36: OO JA ol röre b 20 JvAvO H ‿ν mσααQαꝙν ◻σmQ⁴˙ο 5 X⁶εννεεᷣ α⅜.. I; Sat. II, 10: Is est Roscius, qui etiam L. Sullae carissimus fuit et annulo aureo ab eodem dictatore donatus est. Ea ist hierbei zu bemerken, dass der goldne Ring ein Zeichen des Senatoren- und Ritterstandes war. Plebejer erhielten ihn nur, wenn sie sich um den Staat sehr verdient gemacht hatten und wurden dann zugleich Ritter, wenn sie das hinreichende Vermögen hatten. Vgl. Satur. II, 7. Vielleicht gehörte unser Roscins auch zu den Schauspielern, die nach Athen, VI, p. 261 c. von Sulla mit Ländereien beschenkt wurden. Sulla liebte über- haupt die Künstler sehr. Schon in Athen hatte er viel Umgang mit ihnen. Er sang auch trefflich(Satur. II, 10) und dichtete Gασπσννέιησ L65ꝙ,8εε 5 ꝓτερ mH cvſh. Ob damit Atellanen, die damals von Novius und Pompo- nius ausgebildet wurden, gemeint sind, ist mir zweifelhaft, ebenso ob Horaz A. P v. 235 unter Satyrorum scriptor blos Atellanen verstehe. Ich möchte lieber an wirkliche Satyrspiele, sei es, dass sie von Griechen(Nuενμασοστ s. Suid. schreibt noch zur Zeit des August), sei es, dass sie von Römern in lateinischer oder in griechischer Sprache verfasst wurden. Selbst Welcker, der wie Andere(s. Pauly Satyrdrama) diese Ansicht bekämpft(S. 1362), meint doch, es wäre denkbar, dass die Römer einen Versuch wohl damit hätten machen können. Später ver- fassten ausser Andern auch Germanicus, Plinius, Claudius, Titus, Dramen. Welcker S. 1329.