Aufsatz 
Heinrich Wiskemann's Untersuchungen über den römischen Schauspieler Q. Roscius Gallus
Entstehung
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Maske und von Männern und Frauen gespielt wurde, beigetragen habe, wird nirgends berich- tet. Dass das Spiel des Roscius in den Canticis, aus denen sich später die Pantomime ent- wickelte, dazu beigetragen hat, die künstlichere und vollendetere Mimik einzuführen, ist ohne Zweifel. Insofern war Roscius in jedem Falle schon ein Vorgänger von Pylades und Ba- thyllus und der grossen Menge von Schülern Beider ¹), obschon er noch weit entfernt war von jener spätern Ausartung und Verweichlichung der scenischen Kunst, die in der Kaiser- zeit besonders auch von christlichen Schriftstellern getadelt wird ²).

Ich habe jetzt noch von dem Lohne zu reden, der dem Roscius für seine Kunstleistungen und Verdienste um die Kunst zu Theil wurde. Derselbe war zunächst ein äusserer und be- stand, wie es scheint, in einem vom Staat gezahlten Jahrgehalt. Es ist uns ein dreifacher Be- richt in dieser Hinsicht überliefert worden. Plinius erzählt ³), Roscius habe jährlich 500,000 Sestertien gehabt, Macrobius 4) giebt 1000 Denare auf den Tag an, was eine dreifach höhere Summe macht, Cicero endlich in der 76 v. Ch.) für unsern Roscius gehaltenen Rede sagt, Roscius habe, wenn die Mime Dionysia 200,000 Sestertien verdiene, wenigstens 300,000 ein- nehmen mäüssen, obgleich er schon seit 10 Jahren, also seit dem J. 86, diese Summe aufge- geben, fügt dann aber hinzu, Roscius habe jährlich 600,000 Sestertien verdienen können 6). Die Widersprüche, welche in diesen verschiedenen Angaben enthalten sind, lösen sich einiger- massen, wenn man die 1000 Denare des Macrobius auf die einzelnen Spieltage des Roscius bezieht, so dass er, um die Summe von 500,000 Sest., die Plinius angiebt, zu erreichen, 100 Male, um die 300,000 Sest. des Cicero zu erhalten, 60 Male jährlich aufgetreten wäre. Wollte man dagegen annehmen, dass er für einen jeden Tag des Jahres 1000 Denare vom Staate erhalten hätte, so müsste man, um die grössere Summe zu erklären, voraussetzen, dass ihm

¹1) Vgl. Salmas. a. a. O. II, 833.

) Salvian de provid. dei VI, p. 150 ed. Ven. 1690; Voss. Inst Poet II, c. 39; Reinhard, Christl. Moral III, S. 100. Ausserdem bekämpften die christlichen Schriftsteller, wie Augustin Conf. I. IIl. 8; Clemens Alex. Admo- nit. ad gent. ab init.; Cyprian Ep. II, 2; Lactant. VI. 20; Basilius de legend. gent. lib. c. 17, die Kunsttheorien der Alten, besonders des Aristoteles und namentlich in Bezug auf die Tragoedie, während sie die Komoedie milder beurtheilten. Lange a. a 0. S. 42 meint, wir verdankten es diesem Umstande, dass wenigstens ein kleiner Theil der alten Komoedie erhalten worden sei, während von der frühern Tragoedie nicht eine einzige auf uns gekommen ist. Doch schrieb schon Gregor v. Nazianz und der Presbyter Apollinaris aus Alexandrien (Welcker 8. 1330) geistliche Komödien nnd Tragödien; auch Luther war für scenische Aufführungen. Gervinus Gesch. d. poet. Nt-E. B. 3. S. 88. Ob in dem nach Roscius benannten Buche von v. Rommel: Aristoteles und Roscius, Gôttingen 1809. die Kunsttheorien des Alterthums behandelt sind, ist mir unbekannt, da mir das-

selbe nicht zu Gesicht gekommen ist.

³) N. HI. VII, 40, quippe cum jam apud majores Roscius histrio HS. D. annua meritasse prodatur. ¹) lI, 10: tanta autem fuit gratia et gloria, ut mercedem diurnam de publico mille denarios sine gregali- bus solus acceperit.») Val. Orelli et Bait. Ono. Tull. 1, 29.

²)§. 23: Decem his annis proximis IIS. sexagies honestissme consequi potuit: noluit. Laborem quaestu⸗ recepit: quaestus laboris rejecit. Populo Romano adhuc servire non destitit: sibi servire jam pridem destitit.