Aufsatz 
Heinrich Wiskemann's Untersuchungen über den römischen Schauspieler Q. Roscius Gallus
Entstehung
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und von der Bühne entlassen worden, da wandte er sich in seiner Verzweiflung an den Ros- cius, der ihn in kurzer Zeit so einschulte, dass er fortan unter die besten Schauspieler ge- zühlt wurde ¹). Schon der Name des Lehrers reichte hin, um ihm Beifall zu erwerben. Nicht anders war es mit dem Panurgus, der schon deshalb mit der grössten Erwartung von dem Publikum empfangen wurde, weil er aus der Schule des Roscius kam ²). Bei dem Unterricht desselben hören wir zugleich etwas Näheres von der Methode, welche Roscius befolgte. Seine eigne Meisterschaft machte seinen Unterricht zu einem sehr strengen, ernsten, unwilli- gen. Im Hinblick auf sein Ideal genügte ihm Nichts, er besserte fortwährend und liess sich keine Mühe verdriessen, seinen Schülern eine höhere Kunst mitzutheilen, als irgendwo sonst gelehrt wurde 3). Dass unter letztere auch Cicero gehörte ¹), ist schon oben bemerkt wor- den, und wegen der mannichfaltigen Beziehungen, die zwischen der Schauspielkunst und der Beredtsamkeit stattfanden, sowie wegen der Nacheiferung zwischen den beiden Künsten ist es wahrscheinlich, dass noch viele andere Redner den Unterricht des Roscius benutzt ha- ben. Doch findet sich keine Nachricht in dieser Hinsicht.

Ebenso ungewiss sind wir hinsichtlich des Buches über die Mimik, welches nach Macro- bius II, 10 Roscius, durch die in Gemeinschaft mit Cicero gehaltenen Uebungen veranlasst, verfasste. Ob dasselbe von Einfluss auf die Schriften des Nigidius und Plotius s) über die Gesticulation gewesen, ob esézur weitern Ausbildung des Mimus, der gerade damals all- gemeiner beliebt wurde und sogar die Atellanen als Nachspiel verdrängte, auch zuerst ohne

1) Pro Rosc. com. p. 30. Quod item nuper in Erote comoedo usu venit: qui postea quam e scena non modo sibilis, sed etiam convicio explodebatur, sicut in aram confugit in hujus domum, disciplinam, patrocinium, nomen. Iiaque perbrevi tempore qui ne in novissimis quidem erat histrionibus, ad primos pervenit comoedos.

²) Eb. p. 29: Quod Rosci fuit discipulus. Qui diligebant hunc, illi favebant: qui admirabantur hune, illum probabant: qui denique hujus nomen audierant, illum eruditum et perfectum existimabant. Quid sciret ille, perpauci animadvertebant: ubi didicisset, omnes quaerebant. Nihil ab hoc pravum et perversum produci posse arbitrabantur. Si veniret ab Statilio: tametsi artificio Roscium superaret, adspicere nemo posset.

³) De orat. 1, 28, 129: Saepe enim soleo audire Roscium, cum ita dicat se adhuc reperire discipulum, quem quidem probaret, potuisse neminem; non quo non essent quidam probabiles, sed quia, si aliquid modo esset vitii, id ferre ipse non posset. Pro Rosc. com.§, 31: qui tamen Panurgum illum, non solum ut Roscii discipulus fuisse diceretur, domum recepit, sed etiam summo cum labore, stomacho miseriaque erudiit. Nam quo quisque est sollertior et ingeniosior, hoc docet iracundius et laboriosius. Quod enim ipse celeriter adripuit, id cum tarde percipi videt, discruciatur. Es erinnern diese Worte an das, was Luther sagt:Ich habe kein besser Werk denn Zorn und Eifer: denn wenn ich wohl dichten, schreiben und predigen will, so muss ieh zornig sein; da erfrischt sich mein ganz Geblüt, mein Verstand wird geschärft, und alle unlustigen Anfech- tungen und Gedanken weichen. Neben Roscius hatte noch Statilius eine Schule für Schauspieler. Eb.§. 30.

4) Auch Demosthenes liess sich durch Schauspieler unterrichten. S. Spalding zu(uintil. Xl, 3, 7.

O0b Rupilius(Cic. de off. 1, 31), Diphilus(ad Att. II, 19), Antiphon(eb. IV, 15), bekannte Sehauspieler ¹ zu Cicero's Zeit, Schüler des Roscius waren, ist unbekannt. *) Vgl. Quint. XI, 3, 148.