Aufsatz 
Heinrich Wiskemann's Untersuchungen über den römischen Schauspieler Q. Roscius Gallus
Entstehung
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den entgegengesetzten Fehler des Vaters bei Horaz verfallen ist, der seinen Sohn, der strabo ist, paetus nennt, indem er den Roscius, der paetus war, strabo nennt.

Doch nachdem sich uns in dem Vorhergehenden, freilich nach einer Erörterung, die länger ausgefallen als beabsichtigt wurde, herausgestellt hat, einestheils, wie trefflich die natürlichen, sowohl körperlichen als geistigen Darstellungsmittel des Roscius waren, anderntheils, wie er dieselben durch die Kunst vervollkommnet hatte ¹), ist es natürlich, zur Beantwortung der Frage überzugehen, in welchen Rollen denn nun unser Künstler aufgetreten sei?

Auch hier treten der Untersuchung mancherlei Ilindernisse in den Weg. Einer unserer gelehrtesten Philologen, der auf diesem Gebiete der Litteratur wie kaum ein anderer einhei- misch ist, Böttiger, meint, Roscius und Aesop seien bloss Mimiker gewesen und jedes an- dere Spiel müsse man ihnen absprechen, insofern sie nur die cantica mit ihrer Gesticulation begleitet, die diverbia aber, welche derselben Rolle anheimfielen, durch andere Schauspieler hätten sprechen lassen. In der schon einmal erwähnten Abhandlung Quat. act. rei sc. heisst es p. 341 n.: Sed hine etiam intelligi posse puto, quid in scena actitaverit Roscius, summus aetate Ciceronis artifex, et gestuum mira varietate laudatissimus, quid Aesopus, quid alii tragoedi et comoedi tunc temporis nobilissimi. Aluit Roscius, ut ex oratione Ciceronis pro eo novimus, gregem histrionum, quibus ipse monstraret gestus et artem histrioniam. Quoties- cumque igitur operam suam aedilibus aliisque ludorum scenicorum editoribus locaret, ipse, quod summum in arte ejus habebatur, egit cantica ad tibicinem, diverbiis sive dialogis gregi suo relictis. Und zwar meint Böttiger, hätte dieses agere canticum, wie das griechi- sche Srzννμιν in den Zwischenakten stattgefunden. Indess hat den Beweis, dass die cantica Theile des wirklichen Drama's waren und nicht blos zur Ausfüllung der Zwischenakte, in denen allerdings ebenso wie vor dem Anfang des Stücks der Flötenspieler sich hören liess, dienten, ferner dass Aesopus und Roscius nicht blosse Mimiker waren, schon G. Hermann geführt ²). Derselbe bringt, um seinen Beweis desto gründlicher zu führen, selbst noch einige Stellen bei, unter andern Cic. pro Arch. 8, 17: Quis nostrum ete. u. de orat. III, 26, 102, die Böttiger hätte für sich anführen können, da hier allerdings von corporis motu und agere versum u. s. W. die Rede ist. Indess wird dort von dem, mit lebhafter Gesticulation be- gleiteten Spiel des Roscius im Gegensatz zu der Dichtergabe des Archias gesprochen, hier be- deutet agere wie oft, überhaupt den lebhaften Vortrag des Schauspielers. Andere Stellen, welche noch mehr für die Meinung Böttigers zu sprechen scheinen, sind sowohl von letzterm als auch von Hermann übersehen worden. Die eine derselben, die sich bei Macrobius Sat. II, 10 findet, wurde schon oben angeführt und handelt ganz und gar von der Mimik des

¹) Im XI. Buch spricht Quintilian und zwar weitläufig über die Natur und Kunst des Redners, wovon Vieles sich auch auf den Schauspieler bezieht und auch von Quint. bezogen worden ist. ²) De cantico in Romanorum fabulis scenicis diss, Opus. I, p. 290 sqq.