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Wolff ¹) u. A. die Behauptung aufgestellt worden ist, Roscius habe wegen seines Augenfeh- lers die Einführung der Masken auf dem römischen Theater veranlasst. Es ist freilich schon von vorne herein höchst unwahrscheinlich, dass in Rom, wo an
den Saturnalien ²), den Quinquatrus und bei so manchen andern Gelegenheiten Masken, be- russte Gesichter und Vermummungen aller Art herkömmlich waren, wo so viele und enge Beziehungen mit Etrurien und Griechenland seit lange bestanden, in welchen Ländern die Masken so gewöhylich waren, dass man sie bald aus Etrurien, bald aus Griechenland her- geleitet hat, wo endlich mit der comoedia palliata, sollte man denken, der ganze Apparat des griechischen Theaters, von dem die Masken doch ein Hauptbestandtheil waren, zumal in Rom wie in Griechenland auch die Frauenrollen von Männern gespielt wurden, einheimisch geworden wäre,— es ist, sag' ich, unwahrscheinlich, dass trotz alle diesem, die Masken so spät sollten auf dem römischen Theater gebraucht worden sein. Es ist denkbar, dass Livius Andronikus, Ennius, Nävius mit den griechischen Masken noch nicht durchdringen konnten, entweder weil die frühern, nach Etruskischer Weise ³) aufgeführten und mit der Religion noch inniger zusammenhängenden Schauspiele, die ohne Masken gespielt wurden, jener Neue- rung nicht günstig waren, oder auch, weil die von der einheimischen Jugend in Masken ge- spielten Atellanen die Masken als ein Vorrecht betrachten liessen, das man dem cigentlichen Schauspieler nicht einräumen wollte,— andere Gründe weiss ich nicht anzugeben,— aber mit dem Plautus, Cäcilius, Terentius, die die comoedia palliata zur vollen Geltung brachten, sollte man erwarten, müssten mit dem gesammten griechiscen Kostüm auch die Masken herüber- gekommen sein. Und in der That glaube ich beweisen zu können, dass dies wirklich ge- schehen ist. Einen Versuch mit dem maskirten Spiel mag, wie eben bemerkt wurde, schon immerhin Liv. Andronikus gemacht haben, da Festus a. a. O. sagt: Personata fabula quae- dam Naevii inscribitur, quam putant quidam primum(actam) a personatis histrionibus. Nun fügt zwar Festus hinzu, dass diese Benennung personata fabula wohl nicht von mas- kirten Schauspielern, da ja die Masken soviel später eingeführt worden seien, sondern von den einheimischen Atellanenspielern, die jenes Stäck wegen zufälligen Mangels an Schau- spielern aufgeführt hätten, herrühre, aber muss diese Erklärung des Ausdrucks personata fabula nicht sehr auffallend sein, ist es nicht einleuchtend, dass Festus an die Augen des Roscius dachte und daran, dass die ersten Masken durch den Roscius auf das Theater ge- kommen, dass also ein Stück des L. Andronikus unmöglich von maskirten Schauspielern
¹1) De canticis in Romanorum fabulis scenicis p. 24.
²) Ueber eine Art Kaftan oder Kapuze, woraus der Domino hervorging, s. Heinrich zu Juv. III, 148; 170. Wahrscheinlich existirte sogar schon der Pulcinell mit der Schetlenkappe, so dass diese Dinge dem frühen Heidenthum angehören.— Auch die Atellanen wurden ohne Zweifel, in Masken gespielt(Festus ebd.), ob- schon es Grysar a. a. O. S. 324 läugnet. ²) Liv. VII, 2.


