Aufsatz 
Heinrich Wiskemann's Untersuchungen über den römischen Schauspieler Q. Roscius Gallus
Entstehung
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Rollen der Schauspieler, was nicht passend ist, Reuvens will non satis decorus nisi per- sonatus pronuntiabat gelesen wissen, Lange ¹) und vorher schon Kannegiesser ²) cor- rigiren sine personis und Regels) endlich wendet das sanfteste Mittel an, um Sinn in die Worte zu bringen, indem er nach personis eine volle Interpunktion setzt und mit Nisi einen neuen Satz anfängt. Ich glaube, dass damit allerdings der Sinn des Grammatikers hergestellt ist, obschon die Gestalt des Roscius nicht viel Empfehlendes gehabt haben müsste, wenn sie so beschaffen gewesen wäre, wie sie in jenen Worten geschildert wird. Wenn man an all' die geistigen und körperlichen Verunstaltungen der alten Komödie denkt, unter denen bisweilen, wie natürlich, auch schielende Augen, ja Einäugigkeit vorkam*), wenn man denkt, dass Roscius in allen andern Rollen Masken trug und nur in den Parasitenrollen ihrer nicht bedurfte, trotz dem, dass sonst gerade hier die Masken besonders nöthig waren, um die queren, fratzenhaften Gesichter aller Art hervorzubringen), welche ausserordentliche, un- gewöhnliche Hässlichkeit! Man meint, Augen, sie möchten auch stehen, wie sie wollten und blicken nach den entgegengesetztesten Weltgegenden, wären allein gar nicht im Stande, ein solches Uebermass von Hässlichkeit hervorzubringen. Doch lässt auch Cicero De nat. deor. 1, 28 den Cotta, gegenüber dem Vellejus sagen, dass Q. Catulus, der berühmte Feldherr, Staatsmann, Geschichtsschreiber und Dichter, den Landsmann des Vellejus, Roscius, mit fol- genden Versen:

Constiteram, exorientem auroram forte salutans

Cum subito a laeva Roscius exoritur!

Pace mihi liceat, coelestes, dicere vestra,

Mortalis visus pulchrior esse deo. besungen, obgleich Roscius äusserst schielende Augen gehabt habe und noch habe, denn Cotta sagt weiter: Huic, deo pulchrior: at erat, ut hodie est, perversissimis oculis.

Es sind diese Stellen sehr bestimmt und es ist daher nicht zu verwundern, zumal da

auch Festus) sagt, es seien erst lange nach Nävius die Masken eingeführt worden, dass fast ohne Widerspruch, ja in neuerer Zeit noch von Fraquier?), Reuvens, Lange ³⁷,

1) A. a. a. 0. S. 43.) Vgl. Böttiger De pers. scen. etc. p. 221 ed. Sill. not. ³) Arch. für Phil. u. Päd. B. IV, S. 19. Vgl. Wieseler, Theatergebäude und Denkmäler des Bühnen- wesens bei den Griechen und Römern. Göttingen 1851. S. 113. Nr. 33.

4) Vgl. Wieseler, S. 75; 77; 118. ³) Ueber die Masken überhaupt s. Pauly: Persona; über die der Parasiten insbes. Athen. VI, 237 b., Klotz a. a. 0. 1, 486. ) V. Personata: sed cum post multos annos(nämlich nach Nävius) comoedi et tragoedi personis uti

coeperunt ctc. ) A. a. O. p. 442: Roscius tirait un grand avantage du masque, dont l'ombre dérobait en partie le de-

faut de ses regards, mais ne lui couvrait pas assez les yeux pour cacher le feu que la passion y allumait. ³) A. a. 0. S. 43.