Aufsatz 
Heinrich Wiskemann's Untersuchungen über den römischen Schauspieler Q. Roscius Gallus
Entstehung
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Graecorum neben et tragoedorum oder auch dann, wenn diese beiden Worte ausgelassen würden, zu beziehen wäre, vor und nach dem Reden die von Cicero angeführten, höchst mäühevollen und zeitraubenden Uebungen und künstlichen Behandlungsweisen der Stimme vorzunehmen, ihre weitere Unterstützung. Vielleicht könnten selbst noch die im Folgenden erwähnten paeanem und nomum(statt munionem), welche der Uebung wegen deklamirt wer- den, zum Beweise dienen, dass von Schauspielern die Rede ist. Wir lesen also an der an- geführten Stelle von griechischen Schauspielern, die, wie aus der ganzen Darstellung hervor- geht, nicht blos vorübergehend ihren Aufenthalt in Rom hatten, und auch nicht erst jüngst dahin gekommen waren, da von ihren Uebungen wie von einer allbekannten Sache geredet wird ¹). Uebrigens muss man an diese, von den Griechen herrührende und von griechischen Lehrern der Deklamation und des Gesanges entweder, wenigstens in jener Zeit, einzig oder doch hauptsächlich gelehrte Kunst der Stimmbildung und Behandlung auch bei dem denken, was uns von dem νααααα und ovd oder sxuréwoy des C. Gracchus in Bezug auf noch frühere Zeit gelehrt wird. Wenn es auch nicht zu glauben ist, dass, so oft C. Gracchus öffentlich redete, der Sklave mit der Pfeife binter ihm gestanden habe, um ihm den höhern oder tiefern Ton anzugeben und so das Feuer des Redenden zu erwecken oder zu dämpfen, ja wenn es nicht einmal glaublich ist, dass ein solcher Sklave zu demselben Zwecke unter den Zuhörern gestanden habe, obgleich das Letztere selbst von Cicero erzählt wird ²), so wird doch, und das ist der eigentliche Sinn der Sache, die höchst sorgfältige Bildung und Pflege der Stimme gemeint, die dem C. Gracchus unter der Leitung seiner griechischen Leh- rer zu Theil wurde, und zwar in einer Zeit, die über die Jugend des Roscius noch hinaus- liegt. Ueber den Zusammenhang dieser Lehrer des Gesangs und der Deklamation mit den Schauspielern und deren Schulen wird unten noch Manches beigebracht werden, es spricht dafür aber namentlich auch die Erzählung des Macrobius II, 10 von der Rede des Scipio Aemi- lianus ³), als er von den zahlreich besuchten und von Schauspielern unterhaltenen Gesang- und Musikschulen in Rom hört. Da ohne Zweifel unter den dort genannten histriones auch Griechen waren, und da auch diese Erzählung sich auf eine Zeit bezieht, die über die Jugend des Roscius hinausreicht, so hoffe ich, es wird nach dem Gesagten keinerlei Zweifel mehr übrig sein, woher Roscius seine Wissenschaft und seine Kunst hatte. Es war eben die

¹1) Wir können diese griechischen Schauspielergesellschaften mit den englischen Schauspielern vergleichen, welche zu Shakespeare's Zeiten herüber nach Deutschland kamen, oder mit den Schauspieler- und Operngesell- schaften, welche in neuerer Zeit von Italien und Frankreich aus England und Deutschland besuchen.

²2) De orat III, 60; vgl. Gell. I, 11; Val. Max. VIII, 10. 13 Quintil. I, 10, 27, wo von Spalding noch Dio Cassius p. 39. Reim. u. Plut. I, p. 825 u. II, p. 456 A. angeführt sind. Für die spätere Zeit Suet. Oct. 84 u. ds. Baumgarten-Crusius; Ner. 25; Quint. NXI, 3, 19;3 Varr. b. Non. 2, S. 26.

²) Macrob. irrt hier insofern, als die Rede des Scipio gegen die lex judiciaria des Tib. Gracchus soll ge- richtet gewesen sein, da man nur von einer lex judiciaria des C. Gracchus weiss.