Aufsatz 
Heinrich Wiskemann's Untersuchungen über den römischen Schauspieler Q. Roscius Gallus
Entstehung
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liens, wo zu Rhegium ein solches z0 76y x.. A. reyvery ¹) bestand, wo die Lokrer, Neapo- litaner, Tarentiner den scenischen Künstlern vielfach das Bürgerrecht schenkten ²) und überhaupt eine grosse Menge griechischer Schauspieler fortwährend beschäftigt war, lässt nicht daran zweifeln, dass in der Hauptstadt, in der längst der Sinn für griechische Littera- tur einheimisch war, nach der sich überdies Alles hinzog, was dem Luxus und dem Vergnü- gen diente, griechische Schauspielergesellschaften sich oft und zahlreich einfanden. Es werden unter dieser Voraussetzung auch manche Stellen der Alten klar, deren Erklärung ausserdem nicht gelingt. So sagt Cicero in Q. Caecil. div.§. 48: Ut in actoribus sceniecis fieri videmus, saepe illum, qui est secundarum aut tertiarum partium, cum possit aliquanto cla-

rius dicere, quam ipse primarum, multum summittere, ut ille princeps maxime excellat etc., Worte, die Grysar auf Spieler lateinischer, aber griechischen Originalen nachgebildeter Dramen bezieht, die indess, wie schon Klotz ³) thut, weit natürlicher auf griechische Künst- ler bezogen werden, da sie genau zu dem passen, was uns Böttiger über das Spiel des xpoꝓεσφν νσννν& Jeeavis und Torrævrus lehrt 4). Wollte man einwenden, dass diese Rede erst im J. 70 v. Ch. gehalten sei und deshalb nicht weit genug zurückweise, obschon dieser Einwand nicht viel sagen will, so findet sich noch eine andere Stelle, die auf frühere Zeiten zu beziehen ist. De orat. 1, 59 sagt Cicero: Tamen me autore nemo dicendi studio- sus Graecorum more(et) tragoedorum voci serviet, qui et annos compluris sedentes decla- mitant et cotidie, antequam pronuntient, vocem cubantes sensim excitant candemque, cum egerunt, sedentes ab acutissimo sono usque ad gravissimum sonum recipiunt et quasi quodam modo colligunt*). Ellendt will gegen die Handschriften die Worte et tragoedorum gestrichen wissen, während nur et wegfallen muss, das mehrere Manuscripte wirklich nicht haben und das schon Lambinus und Pearcius als widersinnig verwarfen. Wenn dies geschieht, so er- halten wir Graecorum more tragoedorum und damit einen, dem vorhergehenden Satz, in dem von der unerreichbaren Gesticulation des Roscius die Rede ist, entsprechenden, parallelen Gedanken. Dem Redner, meint Cicero, ist eigentlich die Gesticulation eines Roscius und eine nach Art der griechischen tragischen Schauspieler gebildete und gepflegte Stimme noth- wendig, aber der Redner kann weder jene vollkommne Gesticulation erreichen, noch seine Stimme eben so sorgsam bilden, wie der tragische Künstler. Diese Erklärung erhält, aucli abgesehen von dem, was die Handschriften bieten, durch die Wörter pronuntiare und agere, die von dem Schauspieler noch häufiger als von dem Redner gebraucht werden, sowie durch die Unmöglichkeit, auch für die weniger beschäftigten griechischen Redner, auf die doch

¹) Welcker S. 1309. ²) Pro Arch. c. 5. Rheginos credo aut Locrenses aut Neapolitanos aut Taren- tinos, quod scenicis artificibus largiri solebant, id huic summa ingeni praedito gloria noluisse!

³) Zu Cic. Red. II, S. 657.*) In der Prol. de act. prim, sec. et tert. part. in fab. graec. p. 311 sdq. ³) Vgl. Quintil. XI, 3, 22.