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nicht gerade dieselben Wissenschaften gewesen sein, die er studirte. Aber gab es, denn diese Frage drängt sich uns doch zunächst auf, in dem kriegerischen Rom und zwar schon so frühe Schulen, in denen die genannten Gegenstände gelehrt wurden?— Es unterliegt keinem Zweifel, dass wir hier an die zu Rom lebenden griechischen Rhetoren und Philosophen und deren Schulen zu denken haben. Wenn Porcius Licinius ¹) von der Muse redet, die schon im zweiten punischen Kriege bei dem kriegerischen Römer eingekehrt, wenn Aemilius Paulus ²) seine Kinder von griechischen Grammatikern, Sophisten, Rhetoren, Bildhauern, Malern u. s. w. unterrichten lässt, wenn bereits im Jahre 161 v. Ch. die Philosophen- und Rhetorenschulen dem Senate so bedenklich erscheinen, dass dieselben durch einen Senats- beschluss geschlossen werden ³), wenn Horaz sagt ⁴), dass das eroberte Griechenland seine Kunst und Wissenschaft nach Latium gebracht, wenn endlich, um nur noch dieses Eine zu erwähnen, die Erziehung der beiden Gracchen fast ausschliesslich von Griechen geleitet wurde, so sehen wir aus alle diesem, in welchem Masse schon im zweiten Jahrhundert griechische Bildung in Rom Eingang gefunden hatte. Wir brauchen sonach nicht in Verle- genheit zu sein bei Beantwortung der Frage, unter wessen Leitung Roscius die Theorie sei- ner Kunst erlernt habe; seine Lehrer waren die Griechen. Schwieriger ist es zu zeigen, welchem Unterrichte er die Vollkommenheit seines Bühnenspiels zu verdanken hatte, obgleich die nachfolgenden Erörterungen ergeben dürften, dass auch hier die Griechen seine Lehrer und sein Vorbild waren. Dass Livius Andronikus, Ennius, Nävius, Pacuvius mit der griechi- schen Bildung Unteritaliens auf’s Engste zusammenhängen und von hier aus griechische Ele- mente in Rom eingeführt haben, ist im Allgemeinen so bekannt und insbesondere von Welcker so gründlich dargethan worden, dass ich hier nur im Vorbeigehen daran erinnere. Weniger bekannt dagegen ist, wie weit griechisches Schauspiel in der Muttersprache in Rom zur Auf- führung gekommen und wirkliche griechische Schauspieler sich daselbst aufgehalten haben. Ich lasse unerwähnt, was Lange5) und Welcker ⁶) über griechische Theater und Aufführung griechischer Dramen in Etrurien und Latium sagen, und beschränke mich auf das, was un- mittéelbar meinen Gegenstand berührt. Da finde ich aber schon bei Sueton?), dass bereits Livius Andronikus und Ennius in griechischer nnd lateinischer Sprache ihre Dichtungen mit- getheilt hätten. Wie es sich damit verhalten, wird nicht näher berichtet. Weiter erzählt Livius ³), dass nach Beendigung des Actolischen Kriegs durch den M. Fulvius im Jahr 187 v. Ch. viele griechische Künstler, d. h. Schauspieler, aus Griechenland gekommen seien, na- türlich, um in Rom griechische Dramen aufzuführen. Das letztere geschah auch bei Gelegen-
1) Gell. XVIII, 21. 2) Plut. c. 6. ³) Gell. XV, 11. 4) Ep. II, 1, 156. Auch die beiden Redner Crassus und Antonius hatten griechische Bildung. Cic. de orat. II, 1. ³) A. a. 0. S. 13 ff.
6) A. a. O. S. 1336 ff. ⁷) De clar. gram. c. 1, wo es heisst, dass Liv. Andronikus und Ennius utraque lingua domi florisque docuisse. Vgl. über den letztern Ausdruck Böttiger: Quid sit doc. fab, ed. Sill. p. 284 not. ⁴) B. XXXIX, 22.


