Aufsatz 
Heinrich Wiskemann's Untersuchungen über den römischen Schauspieler Q. Roscius Gallus
Entstehung
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wird sich nicht, wenn auch auf Umwegen, beweisen lassen, welchen Lehrern Roscius seine gepriesene Kunst verdankte?

Horaz ¹) benennt den Roscius mit dem Beiwort doctus, das nach Ladewig ²) nichts An- deres bedeutet, als dass Roscius neben seinem Spiel auf der Bühne, sich auch theoretisch mit seiner Kunst beschäftigt und sogar ein Buch über die Schauspielkunst geschrieben habe. Das Letztere ist nun schon insofern unrichtig, als Roscius nicht über die Schauspielkunst, sondern über die Mimik schrieb ³), ich glaube aber auch, dass die ganze Deutung des Wortes doctus ſalsch ist, denn wie kann man annehmen, dass Horaz diesen Ausdruck wegen einer Schrift gebraucht haben sollte, die ihres ganz speciellen Inhalts wegen gewiss nur Wenigen bekannt war, so dass also für alle die, welche von jenem Buche Nichts wussten, der Ausdruck des Dichters ganz unverständlich blieb? Andere erklären dasselbe Beiwort von der Bildung des Roscius ¹), noch Andere von der Vollendung seines Spiels, Welcker endlich meint 5), Roscius wie Pacuvius, Catullus und Propertius, werde wegen seiner griechischen Bildung so be- zeichnet und der letzten Ansicht stimme ich insofern bei, als auch mir die Kunst des Roscius auf griechischen Ursprung zurückzuweisen scheint. Lucian) stellt an den vollendeten Pan- tomimen, in dessen Begriff die spätere Schauspielkunst unter den Römern mehr oder weni- ger aufging, die Forderung, dass er mit der Geschichte, Mythologie, Musik, Rhyth- mik, Metrik, Philosophie, zumal der Ethik, aus der die tiefere Kenntniss des Men- schen, seiner Handlungen, Neigungen, Leidenschaften geschöpft werde, ferner mit der Rhetorik, Malerei, Plastik bekannt sei und ausserdem ein gutes Gedächtnis sich erwerbe. Lucian verlangt hier von dem Mimen so weitläufige und schwierige theoretische Studien, dass es überhaupt wenige Schauspieler gegeben haben mag, die Zeit, Mittel und Gelegenheit fanden, sich in der bezeichneten Art auf die scenische Kunst vorzubereiten. Unter diese Wenige trage ich indess kein Bedenken den Roscius zu zählen, sollten es auch

1) Epist. II, 1, 82. 2) S. Pauly: Roscius.

²) Macrob. Satur. II. 10: Et certe satis constat, contendere eum(sc. Ciceronem) cum ipso histrione(sc. Roscio) solitum, utrum ille saepius eandem sententiam variis gestibus efſiceret, an ipse per eloquentiae copiam sermone diverso pronuntiaret. Quae res ad hanc artis suae fiquciam Roscium abstraxit, ut librum conscriberet, quo eloquentiam cum histrionia compararet. Schon aus dem Zusammenbang dieser Stelle geht hervor, dass nur von der Mimik dio Rede ist. Darauf fährt nicht blos der Ausdruck abstraxit, durch den angedeutet wird, dass Roscius von der Mimik einen zu hohen Begriff, der redenden Kunst gegenüber, gefasst hatte, son- dern insbesondere auch das Wort histrio, das hier, wie an vielen Stellen, dem 69 οπν α saltator, pantomimus entspricht und im Tuskischen, woher das Wort und die Sache, wie auch die Faustkämpfer(Liv. 1, 31), die Gladiatoren(Val. Max. II, 4, 7), die Triumphe mit den Chören der Citherspieler und Satyren(Appian VIII, 66), schon frühe nach Rom kam, gerade diese Bedeutung haben soll. S. Gronov zu Gell. II, 5 und den von Lange a. a. 0. S. 12 Anm. 14 citirten Micali q'ſtalia etc. I, p. 197; II, p. 93. Anders indess Plut. Quaest. Rom. 107, der von einem aus Etrurien gekommenen Mimiker Istrus das Wort herleitet.

¹) S. Hocheder z. d. St. ³) Die gr. Trag. Bonn 1841. S. 1358 u. 1397. 6) De saltat.§. 288 fl.

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