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geschildert wird, anderweitiger Anleitung und Unterweisung. Nun wird uns zwar be- richtet ⁴), dass Roscius von dem Redner Hortensius gelernt habe und diese Behauptung ist von Fraquier, Grysar, Ladewig u. A. wiederholt worden; Nichts desto weniger kann dieselbe nur wenig Wahres enthalten. Dass Hortensius, der neuen Asiatischen Beredtsamkeit zuge- than ²), sowohl durch seine bilderreiche Sprache als durch ausgesuchte Action den grössten Beifall erntete, ist bekannt, ebenso begreiflich und natürlich ist es, dass Roscius und Aesop, ausser der Neugierde, die sie wie andere Menschen veranlasste, sich an dem grossen Ge- triebe des öffentlichen Lebens zu betheiligen und, wenn es sich traf, die guten Redner spre- chen zu hörea, noch ein besonderes Interesse hatten, den öffentlichen Vorträgen des Horten- sius, dessen Kunst mit der ihrigen so viel Aehnliches hatte, mit Aufmerksamkeit zu folgen. Dagegen konnte das, was Roscius von dem Hortensius im eigentlichen Sinne des Wortes lernte, nur sehr unbedeutend sein und zwar aus dem einfachen Grunde, weil Hortensius erst 114 v. Ch. geboren wurde und erst 95 v. Ch. seine erste Rede hielt ³), in einer Zeit,— von dem Umstande, dass Hortensius nicht gleich Anfangs der gefeierte Redner war und die Vol- lendung erreicht haben konnte, die von ihm gerühmt wird, sehe ich dabei noch gänzlich ab⸗
— in einer Zeit, sage ich, hielt Hortensius seine erste Rede, wo Roscius bereits gegen 38 Jahre alt war und entweder schon auf dem Höhepunkte seines Ruhmes stand oder nahe daran war, ihn zu erreichen. Alles, was man sonach behaupten kann, ist, dass Roscius, wie früher dem Crassus, Antonius und andern Rednern, so später vielleicht auch dem Hortensius manche Anregung und manchen Stoff zum Nachdenken verdankte,— von eigentlichem Ler- nen kann unter den dargelegten Umständen keine Rede sein.
Wenn aber Nichts desto weniger Roscius ohne trefflichen Unterricht und ausgezeichnete Lehrer nicht werden konnte, was er geworden ist,— wo haben wir jenen Unterricht und diese Lehrer zu suchen? Dass uns keinerlei Zeugniss, nicht einmal die unbedeutendste Notiz bei Beantwortung dieser Frage zu Hülfe kommt, wurde schon vorher bemerkt, aber wird sich nicht auf andere Weise die Quelle auffinden lassen, aus der unser Künstler schöpfte,
¹) Ebd. VIII, 10, 2: O. autem Hortensius plurimum in corporis decoro motu repositum credens, pene plus studii in eodem elaborando, quam in ipsa eloquentia affectanda impendit. Itaque nescires utrum cupidius ad audiendum eum an ad aspectandum concurreretur; sic verbis oratoriis aspectus et rursus aspectui verba servie- bant. Itaque constat Aesopum Rosciumque ludicrae artis peritissimos viros, illo caussas agente, in corona fre-
quenter astitisse, ut foro petitos gestus in scenam referrent. Vgl. noch Gell. 1, 5 u. Quint⸗ Inst. orat. XI, 3, 8 und dazu Spalding.
²) Ueber das Asiaticum genus orationis, dessen Vertreter Hierokles u. Menekles aus Alabanda waren und das sich durch Bilderreichthum der Sprache, durch gesangähnliche Deklamation und lebhafte Gesticulation aus- zeichnete, vgl. Brut. c. 95; orat. c. 18; Westerm. II. S. 150 ff.
²) S. Fischer, Zeittafeln S. 155 u. 169.


