Aufsatz 
Heinrich Wiskemann's Untersuchungen über den römischen Schauspieler Q. Roscius Gallus
Entstehung
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Künstler oder römischer Schauspielergesellschaften, die, so oft sie in Rom keine Beschäfti- gung fanden, in den verschiedenen Städten Italiens spielten, die erste Neigung zur dramati- schen Kunst in Roscius geweckt wurde. Doch war dies ohne Zweifel anders, wenn der Herr desselben in Rom lebte. In diesem Falle ist es natürlicher, dass Roscius schon frühe in die llauptstadt kam, in dem Hause des flerrn lebte und hier eine Bildung erhielt, wie sie seinen ausgezeichneten Anlagen entsprach. Indess dient es zu Nichts, sich in Ver-

muthungen zu erschöpfen, von denen eine so wahrscheinlich ist als die andere, da es eben an jedem Anhaltspunkte für eine genauere Schilderung der frühern Lebenszeit des Roscius gebricht. W'ann er nach Rom gekommen, ob er hier oder in Lanuvium seinen ersten Unter- richt erhalten, wodurch er veraulasst worden, sich der scenischen Kunst zu widmen, wann er zum ersten Male aufgetreten, ob er früher oder später die Mittel gefunden, sich loszu- kaufen ¹), für die Beautwortung dieser und ähnlicher Fragen ist uns auch nicht eine An- deutung in den Schriften der Alten hinterlassen. Und doch würde es namentlich interessant gewesen sein, zu erfahren, unter wessen Leitung und durch welche Studien er zu dem Grade von Vollendung in seiner Kunst gelangte, den weder vor noch nach ihm irgend ein römi- scher Schauspieler erreichte.

Dass Rocius überhaupt tief in die Geheimnisse der Wissenschaft und Kunst eingeweiht war, unterliegt keinem Zweifel, es spricht dafür zu Vieles; es handelt sich nur darum zu wis- sen, auf welche Weise er in den Besitz all' jener Kenntnisse gekommen ist, die den Künstler und den Menschen Roscius in gleichem Masse zierten. Man könmte sich versucht fühlen, seine Kunst zum besten Theile von seinen natürlichen Anlagen auf der einen, und von seinem rastlosen Streben, seinem unermüdlichen Fleisse, seinem Nachdenken, seiner Beobachtung und Erfahrung auf der andern Seite herzuleiten, aber wenn auch anzunehmen ist, dass die erstern sehr bedeutend waren, und dass der Fleiss, mit dem er in spätern Jahren seine Stu- dien fortsetzte ²), nicht grösser war, als der, mit dem er dieselben begann, so scheint es doch unmöglich, auf diese Weise die von den Zeitgenossen mit den höchsten Lobsprächen überhäuften künstlerischen Leistungen des Roscius zu erklären. Er bedurfte, auch abgesehen. von der Theorie der Schauspielkunst, schon allein für ein scenisches Spiel, wie uns das seinige

1) Letzteres erzählt Plin. N. H. VII, 40: Excessere hoc in nostro aevo nec modice histriones, sed liber- tatem suam mercati, quippe cum jam apud majores Roscius HS D annua meritasse prodatur. Im Vorher- gehenden wird erzählt, dass ein gebildeter Sklave für 700,000 Sestertien sei verkauft worden. P. fügt dann hinzu, dass Schauspieler noch höher geschätzt worden seien, da sie einen grössern Preis für ihre Freiheit häte ten bezahlen müssen, was freilich nicht zu verwundern sci, da schon ein Roscius 500,000 Sestertien jährlich eingenommen. Ob zugleich ein hoher Preis angedeutet werden soll, für den Roscius sich loskaufte, ist nicht- zu erkennen.

²) Val. Maximus VIII. 7, 7 sagt davon: Ne Roscius quidem subtrahatur scenicae industriae notissimum exemplum, qui nullum gestum nisi quem domi meditatus fuerat, ponere ausus est.