Aufsatz 
Heinrich Wiskemann's Untersuchungen über den römischen Schauspieler Q. Roscius Gallus
Entstehung
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Indess ist uns von all' diesen Theaterschriften keine einzige erhalten worden, überhaupt sind es nur geringe Ueberreste, die uns von all' jenen, zum Theil, wie es scheint, umfangreichen Erklärungen, Kritiken, statistischen und chronologischen Werken, Anekdotensammlungen u. s. w. geblieben sind. Man könnte meinen, dass dieser Verlust leichter zu verschmerzen sei als mancher andere, den wir hinsichtlich der Schriften und Denkmäler der Griechen und Römer zu beklagen haben. Diese Meinung ist aber aus einem doppeltem Grunde unrichtig, einmal, weil das Theater eine so wichtige Stelle bei den Römern einnahm und sonach die Kenntniss des Theaterwesens für die Kenntniss des gesammten Lebens derselben unentbehrlich ist, sodann aber und hauptsächlich deshalb, weil das rechte Verständniss und die gründliche Erklärung

von unzähligen Stellen in den lateinischen Klassikern nur durch eine genaue Bekanntschaft mit dem römischen Theater möglich wird. Es bleibt unter solchen Umständen nichts Ande- res übrig. als die einzelunen lückenhaften, oft sogar widersprechenden Angaben und Notizen, wie sie sich bei Gellius, Nonius, Censorinus, Sosipater, Priscian, Servius u. A. finden, zu sammeln, zu vergleicheu, die einen durch die andern zu berichtigen und zu ergänzen, und durch diese mühsame Arbeit, die indess durch die zwar gleichfalls unvollständigen, doch im- merhin ausführlichern Bemerkungen des Diomedes und Euanthius und durch die Didaskalien, Vorreden und Commentare des Donat einigermassen erleichtert wird, auch an dieser Stelle eine untergegangene Welt, deren Schätze viele Jahrhunderte lang verschüttet waren, aus den Trümmern wieder an das Tageslicht emporzuheben. Wie gross der Eifer und die Rührigkeit der Gelehrten bei dieser mühsamen Arbeit war, das beweist die grosse Menge von Schriften, welche von dem Theater der Alten bandeln, wie bedeutend die Kräfte waren, welche sich bei dieser Arbeit betheiligten, das bezeugen, um älterer ausgezeichneter Gelehrten zu ge- schweigen, die Namen eines Böttiger, G. Hermann, Welcker, Wolff, Lange, Grysar, Ritschel. Doch giebt es trotz der umfassenden Gelehrsamkeit, trotz des durch- dringenden Scharfsinnes, mit denen jene Untersuchungen geführt wurden, noch immer Lük- ken auszufüllen, Irrthümer zu berichtigen, Dunkelheiten aufzuklären. Es dürfte unter solchen

mentarii magistratuum d. h. der editores oder curatores ludorum, der städtischen Prätoren, Aedilen, Censoren, von der grössten Wichtigkeit, und sie mochten, wenn gleich die administrative Seite des Bühnenspiels vorzugs- weise in Betracht kam, doch auch manche andere bemerkenswerthe Notiz enthalten. Inhaltsreicher waren je- denfalls die Aufzeichnungen der Schauspielergesellschaften, da sie sich auf die Veranstalter der Spiele, zugleich aber auch auf die Verfasser der dramatischen Dichtungen, die Zeit und Umstände der Aufführungen, die Haupt- schauspieler und den Komponisten der Gesänge erstrecken mussten. Auf diese Aufzeichnungen stützten sich wohl mehr als auf die commentarii magistratuum die Angaben und Forschungen der vorher genanntén Schriftsteller, wie namentlich des Dichters Attius in seinen libri Didascalicon, dergleichen unter den Griechen zuerst Aristoteles verfasste, und in seinen libri Pragmaticon. Dass es endlich Anckdotensammlungen, die sich auf das Personal der Buhne bezogen, wie Grysar a. a. O. meint, gegeben habe, ist allerdings höchst wahrschein- lich, wenn man liest, was Plinius N. II. VII, 49; 54; Macrob. Satur. II, 7; 10: Tertull. de pall. p. 32 und dazu Salzuasius p. 457, sowie Gellius, Val. Maximus u. A. hier und da über Schauspieler berichten.