Beit Livius Andronikus gehörten die scenischen Spiele zu den geistigen Bedürfnissen des römischen Volks ¹). Die Vorliebe des Römers für die Bülme und seine Vertrautheit mit der dramatischen Dichtung macht es erklärlich, dass es kaum irgend einen römischen Schriftsteller giebt, bei dem nicht Redeweisen, Ausdrücke, Bemerkungen angetroffen würden, die auf das Theater Bezug haben. Aus demselben Grunde entstand zu Rom schon gegen die Mitte des zweiten Jahrhunderts v. Ch., nach der von dem Pergamener Krates empfange- nen Anregung, ein besonderer Zweig von literärischer Thätigkeit, der sich theils auf die dramatischen Dichtungen selbst und zwar nach den verschiedensten Seiten hin, theils auf die öffentlichen Aufführungen derselben, theils endlich auf das Personal der Bühne erstreckte 2).
1) Von den öffentlichen Spielen der Römer überhaupt spricht Cic. de legg. II, 15: Jam ludi publici, quoniam sunt cavea circoque divisi, sint corporum certatione, cursu et pugilatione, luctatione, curriculisque equorum usque ad certam victoriam, circo constituti: caveae cantus, voce ac fidibus et tibiis etc. und vollständiger Augustin de civitat.
dei II, 6, vgl. VI, 7: Volupliates circi furentis, caveae insanientis, scenae lascivientis, wo also Circus, Amphitheater und Theater ausdrücklich genannt werden. Ueber die den öffentlichen Spielen gegenüberstehenden ludi privati, denn ein Volk wie der Einzelne wird ja nicht plos aus seiner Arbeit, sondern zugleich aus seinem Spiele er- kannt, eind zu vergleichen Becker, Gallus II, S. 220 ff. und Pauly, Real-Encycl. in den bezüglichen Artikeln.
²) Vergl. Lange, Vindic. trag. rom. Lips. 1822. S. 5; Grysar, Allg. Schulztg. 1832. S. 317; Ritschel, Parerg. I, S. 90 ff. u. Exc. IV, S. 319 ff. Es waren grammatische, kritische, exegetische, chronologische, stati- stische Zwecke, welche von den hierher gehörigen Schriftstellern verfolgt wurden. Einige der letztern nennt Gellius N. A. III, 3, nämlich den L. Acl. Stilo, Volcatius sedigitus, Servius Claudius, Aurelius Opilius, L. At- tius, Manilius. Ausserdem gehören hierher Varro de scenicis originibus(Charis. ed. Putsch p. 96), de actioni- bus scenicis(ibi p. 119, auch von Censorin, Sosipater u. A. erwähnt), de poetis(Gell. XV, 24), quaestiones Plautinae(Ritschel a. a. O. S. 321); sodann Sueton de ludis et spectaculis(Suid. Toxεέ), Porcius Licinius (Gell. VII, 21), Sisenna(Ritschel S. 91) und Audere, die bei Rufin(p. 2713 ed. Putsch) und sonst(Ritsch. eb. De vet. Plaut. int. p. 357 ff.; Lange a. a. 0. nennt noch den Rufius aus Ephesus als Verfasser einer historia dramatica) vorkommen.— In Bezug auf die öffentliche Aufführung der Dramen waren ohne Zweifel die von Madvig(Opusc. Acad. p. 109) zuerst angedeuteien und zugleich als Quelle der Didaskalien betrachteten com-
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