Aufsatz 
Die Turnhalle der Oberrealschule / von Max Georg Schmidt
Entstehung
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IV

spiel, kleine Lederbälle, eine Stosskugel von 10 kg Schwere u. S. W. sind in einem Schranke des Turnlehrerzimmers verwahrt, in welchem sich auch die Apotheke für kleinere Unglücks- fälle befindet.

Bei günstiger Witterung können die Turnstunden auf dem Turnplatze abgehalten werden. Derselbe ist 39 m breit und 26 m lang, mit Packlage und mit grobem und feinem Kiesbewurf versehen und deshalb besonders für Marsch- und Laufübungen bestimmt, doch ist auch die Möglichkeit zum Gerätturnen gegeben. Von der Aufstellung eines Klettergerüstes mit Stangen, Leitern und Tauen wurde allerdings Abstand genommen, weil erfahrungsgemäss beim Kür- turnen an diesem Geräte(weniger in den Pausen, als bei anderen Gelegenheiten, wo eine ge- regelte Aufsicht nicht zu ermöglichen ist) die meisten Unfälle vorkommen. Dagegen sind in der Nähe der Turnhalle an der der Stadt zugekehrten Seite des Platzes 2 Paar Spring- ständer mit 3 Säulen eingegraben, ferner drei Barren in verschiedenen Grössen, deren Holme gegen die Unbilden der Witterung mit grossen Schutzdächern überdeckt sind und schliesslich 4 Reckeinrichtungen, deren fünf eichene Säulen ähmlich denen in der Turn- halle gebaut sind. Zwischen der Turnhalle und dem Hauptgebäude ist ein 12 m langer Schwebebaum auf zwei eichenen Ständern befestigt.

Um die Spiele möglichst in staubfreier Luft vornehmen zu können, ist der vor dem Turnplatz gelegene Spielplatz mit Grassamen besät, worden. Aber leider ist der Spielplatz noch viel zu klein, als dass er seiner Bestimmung dienen könnte. Es wäre deshalb recht, wünschenswert, dass der für die Badeanstalt geplante Winterhafen möglichst bald eingerichtet wird, damit derjenige Teil des Spielplatzes, welcher jetzt noch der Aufbewahrung der im Winter abgebrochenen Badeanstalt dient, aufgeschüttet und damit benutzbar gemacht werden kann. Alsdann wird der Spielplatz einen Raum von 50 m Länge und ca. 70 m Breite umfassen. Die Entwässerung des Turn- und Spielplatzes, welche demnächst auch mit einer doppelten Reihe von Bäumen umzogen werden sollen, geschieht mittels Sickerdocken und hier- an angeschlossener Thonrohre, welche mit der Kanalisation in Verbindung stehen.

Auf den Schultern unserer Jugend ruht die Zukunft des Vaterlandes. Nicht nur durch stete Arbeit im Frieden, sondern auch durch unbezwingliche Wehr, wenn es sein muss, im Kriege soll sie das Teuerste, was ihre Väter erstritten haben, beschützen und fortentwickeln. Jüng- linge, die mit gesundem Wissen, aber auch gesund, rüstig und stark an Körper heran- wachsen undFrisch, Fröhlich, Fromm und Frei ins Leben hinaustreten, wollen die moder- nen Gymnasien grossziehen. Möge es auch unserer Marburger Oberrealschule vergönnt sein, dieser Doppelaufgabe des Unterrichts, für welche die Vorbedingungen in so schöner Weise ge- geben sind, allezeit gerecht zu werden!