folge der Aufforderung der deutſchen Fürſten und des norddeutſchen Reichstages und unter Zuſtimmung aller deutſchen Landes⸗Vertretungen am 18. Januar 1871 in dem Schloß zu Verſailles die deutſche Kaiſerwürde wieder hergeſtellt, und indem er ſich an die Spitze der deutſchen Fürſten und des deutſchen Volkes ſtellte, die Verpflichtung übernommen, Deutſchlands Grenzen gegen außen zu ſchützen, ſeine Un⸗ abhängigkeit und Selbſtſtändigkeit zu ſichern, ihm den ihm zukommenden, aber lang entbehrten Rang unter den Völkern Europas wieder zu erwerben und die Beförderung ſeiner inneren Wohlfahrt nach allen Richtungen hin mit der ihm zur Seite ſtehenden Vertretung der Bundesfürſten und des Volkes ſich ange⸗ legen ſein zu laſſen.
Welch ein Gewinn für unſer ganzes nationales Leben! Kaum faßt die Gegenwart die Größe deſſelben, und erſt die Zukunft wird ſeine ganze Bedeutung zu ermeſſen vermögen. Uns Glücklichen aber war es beſchieden, den Tag mitzuerleben, an welchem unſerm theuren Vaterlande ſolch Heil widerfahren und damit die alte Sage von dem einſt wiederkehrenden Kaiſer Friedrich in ſo herrliche Erfüllung ge⸗ gangen iſt. Darum laſſet uns aber auch heute unſre Herzen weit öffnen den Empfindungen, die durch die Erinnerung an ſolch große und denkwürdige Ereigniſſe in uns wach gerufen werden. Welches aber dieſe Empfindungen ſind, o, ich brauche es kaum anzudeuten. Es iſt zunächſt Dank, heißer Dank, der unſer Herz erfüllt und den laut zu bezeugen wir uns gedrungen fühlen.
Und zwar gebührt dieſer Dank zuerſt Gott, dem Allmächtigen, der die rechte Einſicht und den feſten Muth in die Menſchenherzen gibt, der des Kriegers Arm ſtählt, ſein Auge offen hält und ſeinen Füßen die ausdauernde Kraft verleiht. Ihm, dem Lenker der Schlachten, der unſer Kriegsheer von Sieg zu Sieg geführt und unſerm Volke aufs Neue Ehre und Anſehen unter den Nationen der Erde ver⸗ liehen hat, Ihm, dem Herrn aller Herrn, dem Könige aller Könige, erſchalle auch heute wieder im Rückblick auf die große Gnade und Barmherzigkeit, die er uns erwieſen, Preis, Ruhm und Chre, und jubelnd ver⸗ künde es unſer Mund:„Der Herr hat Großes an uns gethan, deß ſind wir fröhlich!“
Mit dem Danke gegen Gott verbinde ſich aber auch der Dank gegen die Menſchen, die er bei der Ausführung ſeines Rathes zu ſeinen Werkzeugen erkoren hat.
Dank darum vor Allem dem Kaiſer, unſerm oberſten Kriegsherrn, dem Heldengreiſe mit dem Jugendherzen, der ſeinem Volke die Siegesfahne vorausgetragen und den fremden Uebermuthe hoffentlich für immer gedemüthigt hat.
Dank dem klugen und treuen Berather des Kaiſers, dem einſt ſo verkannten und nachmals doch ſo glänzend bewährten Staatsmanne, deſſen überlegenem Scharfſinn und unbeugſamer Willenskraft in kurzer Zeit gelungen iſt, woran ganze Generationen ihre beſten Kräfte erfolglos abgenutzt haben.
Dank dem genialen und doch ſo beſcheidenen Sinner, der den Kriegsplan in ſeiner klaren Seele entworfen und die Ausführung deſſelben bis ins kleinſte Detail hinein zu ſichern verſtanden hat.
Dank allen Führern unſres Heeres, die demſelben in kühnem Muthe, aufopfernder Selbſtver⸗ leugnung und ausdauernder Ertragung aller Beſchwerden mit glänzendem Beiſpiele voran geleuchtet haben.
Dank dem ganzen Heere, das durch ſeine unvergleichliche Tapferkeit, ſeine ſelbſtloſe Hingabe und zähe Ausdauer unſer Vaterland vor Schande, Verheerung und Zerſtückelung bewahrt und ſeinem Namen Anſehen und Chre unter den Völkern der Erde errungen hat..
Dank auch den gefallenen Helden, die ihre Treue gegen das Vaterland mit ihrem Herzblute beſiegelt haben. Ihrer 20,000 liegen in fremder Erde begraben; an 100,000 andere mußten, mit ſchweren oder leichten Wunden bedeckt, oder von Krankheiten ergriffen, den Schauplatz ihrer heldenmü⸗ thigen Thaten verlaſſen, und viele, viele von ihnen ſind in der Heimath von der kalten Hand des Todes dahin gerafft worden, oder leiden Zeitlebens unter den traurigen Folgen der empfangenen Wunden und der erduldeten Mühſale.
Dank auch allen Denen, welche ſich auf dem feindlichen oder heimiſchen Boden dem Samariter⸗ dienſte der Krankenpflege oder der Seelſorge gewidmet und durch ihren Edelmuth ſo viel zur Linderung der— und der Schmerzen unſrer Brüder und zu ihrer inneren Stärkung und Aufrichtung beigetra⸗ gen haben..3 1
Dieſen Allen, Allen, die ſich um das Vaterland ſo hoch verdient gemacht haben, ſei Dank,


