als nach kaum vierzehntägiger Vorbereitung die gewaltigen Heeresſäulen unſrer heimiſchen Kriegsmacht, und zwar gleichzeitig im Süden wie im Norden, ſich in wunderbar raſche Bewegung ſetzten, ſie nicht nur ungehindert den Rhein überſchreiten, ſondern bis dicht an die franzöſiſche Grenze vorrücken konnten, ohne noch einen Feind erblickt zu haben. Leichter hob ſich in dem rechtsrheiniſchen Deutſchland die Bruſt aller Vaterlandsfreunde, als die Kunde hiervon zu ihnen über den Rhein herüber drang. Und wie mag man erſt in der hieſigen Gegend aufgeathmet haben, als man ſtatt der gefürchteten Feinde zuerſt die wie aus dem Erdboden aufſteigenden zahlloſen Schaaren der zur Hülfe und zum Schutz herbeieilenden Brü⸗ der von Jenſeits ein⸗ und durchmarſchiren ſah!—
Noch wenige Tage und die beiderſeitigen Heere ſtanden ſich ſo nahe, daß ein Zuſammenſtoß nicht mehr lange ausbleiben konnte. Die Fran oſen hielten die leichte und ruhmloſe Beſitznahme der offenen Stadt Saarbrücken am 2. Auguſt für einen ſolchen und jubelten darüber, verführt durch die lügenhaften, ruhmredigen Berichte ihres Kaiſers, wie über eine glänzende Heldenthat. Aber es ſollte raſch anders kommen!
Der 4. Auguſt brachte uns den erſten ſiegreichen Kampf bei Weißenburg und auf dem Gais⸗ berg, in welchem ſich die Streiter aus Nord⸗ und Süddeutſchland zum erſtenmal die Bruderhand reich⸗ ten. Und von da an folgte Schlag auf Schlag, Sieg auf Sieg. Am 6. Auguſt erfocht die helden⸗ müthige Tapferkeit und das begeiſterte Ungeſtüm unſrer Truppen die glänzenden Siege bei Wörth und Spichern, wodurch nicht nur der franzöſiſche rechte Flügel zum ſchleunigen Rückzug in das Innere von Frankreich, ſondern auch das Centrum zum Verlaſſen ſeiner bisherigen Operationslinie und zum Rück⸗ gang bis hinter die Moſel gezwungen ward. Dann folgten die furchtbar blutigen, aber wiederum ſieg⸗ geichen Schlachten des 14., 16. und 18. Auguſts in der Umgegend von Metz, in denen ſich die Namen Courcelles, Mars la Tour, Vionville, Rezonville, Gravelotte, Verneville, Amanvillers, St. Marie aux Chenes und St. Privat la Montagne für alle Zeiten ein zwar wehmüthiges, aber ruhmreiches Andenken in dem Herzen des deutſchen Volkes geſichert haben. Durch den Ausgang dieſer ein und daſſelbe Ziel verfolgenden Kämpfe war die Hälfte der franzöſiſchen Armee zur Unthätigkeit im offenen Felde verur⸗ theilt und wurde in die Feſtung Metz und ihre nächſte Umgegend eingeſchloſſen, wo ſie ſich zwei Mo⸗ nate lang unter öfteren blutigen, aber ſtets erfolgloſen Verſuchen des Durchbruchs gehalten hat, bis ſie ſich, durch Hunger und Krankheiten genöthigt, am 27. October, noch 170,000 Mann ſtark, mit 53 Aiblan und einem unzähligen Heergeräthe an den Prinzen Friedrich Karl, den Führer unſrer 2. Armee, ergeben mußte... 1
Inzwiſchen wurde die durch die Defileen der Vogeſen glücklich entkommene andere Hälfte des Feindes durch unſre vom Kronprinzen Friedrich Wilhelm von Preußen befehligte, aus Preußen, Bayern und Württembergern zuſammengeſetzte 3. Armee unaufhaltſam verfolgt. Als ſie ſich nach Verlaſſung des Lagers von Chalons, wo ſie alle ihre Reſerven an ſich gezogen hatte, in ſchlauem, aber ſchnell durch⸗ ſchauten Plan rückwärts gegen Metz wendete, um dem dort eingeſchloſſenen Marſchall Bazaine die Hand zu reichen, wurde ſie von unſrer nachrückenden 3. Armee einerſeits und der von der Belagerungsarmee von Metz abgezweigten, aus Preußen und Sachſen beſtehenden und unter das Kommando des Kron⸗ prinzen Albert von Sachſen geſtellten 4. Armee andrerſeits umfaßt, durch kleinere Gefechte zum Stehen gebracht und in den blutigen Kämpfen des 30. und 31. Auguſts auf die kleine, in einem Winkel der Maas liegende Feſtung Sedan zurückgeworfen. FAI2 K n
Hier nun erfolgte die entſcheidende Kataſtrophe des 1. Septembers. Auf allen Seiten von an Zahl, an Tapferkeit, an Heergeräthe und an Siegesgewißheit überlegenen Gegnern umringt, trotz der größten Anſtrengungen keinen Ausweg aus dem ſich immer enger und enger zuſammenziehenden Netz ſich zu öffnen vermögend, von den benachbarten Höhen herab von einem Hagel von Geſchoſſen über⸗ ſchüttet, und endlich Menſchen und Thiere, Kämpfende und Verwundete, Lebende und Todte, Wagen und Kanonen auf den Wällen, in den Straßen und auf den öffentlichen Plätzen der in Trümmer ſtürzenden unglücklichen Stadt in einen grauenhaften, unauflöslichen Knäuel zuſammengedrängt: da mußte auch dem Verwegenſten und Tollkühnſten der Muth ſinken, und Napoleon, der ſich mitten unter den verzwei⸗ felnden, meuternden oder ſtumpf ihrem Schickſal entgegen harrenden Maſſen ſeiner Soldaten befand,


