Aufsatz 
Rede bei der Sedanfeier am 2. Sept. 1873
Entstehung
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beredteſten Ausdruck gegeben, endlich zu einer Wahrheit zu machen, und ſeitdem es ihm gelungen, we⸗ nigſtens die größere Hälfte Deutſchlands zu einem lebensfähigen und lebensfriſchen Bunde zu einigen, ſeitdem fühlte ſich Frankreich, und zwar Regierung ſowohl wie Volk, in ſeiner Vormachtſtellung wenn nicht bedroht, ſo doch gehindert, undRevanche für Sadowa das war die Parole, die offen und ins⸗ geheim ihren Umgang hielt unter allen Schichten der franzöſiſchen Bevölkerung.

Die Luxemburger Frage, die bereits im Jahr 1867 von Frankreich aufgeworfen wurde, um Händel mit Preußen zu ſuchen, wurde durch die Klugheit des genialen Staatsmannes, der die Geſchicke Preußens und Deutſchlands leitete und heute noch leitet, auf friedlichem Wege gelöſt.

Da bot die im Sommer 1870 plötzlich auftauchende Nachricht, daß die ſpaniſche Volksvertre⸗ tung einem Verwandten des Königs von Preußen, den Erbprinzen Leopold von Hohenzollern, die ver⸗ fügbar gewordene ſpaniſche Königskrone angeboten und dieſer ſie auch angenommen habe, den begierig ergriffenenen Vorwand zu der Behauptung, dies Vorgehen der Spanier ſei durch Preußen veranlaßt worden, um ſich im Rücken von Frankreich einen Allürten zu ſichern und den franzöſiſchen Intereſſen in ſchroffer Feindſeligkeit entgegen zu treten. Umſonſt war die Verſicherung, daß der König von Preußen von den Verhandlungen zwiſchen den Vertretern Spaniens und dem Prinzen von Hohenzollern anfangs gar Nichts gewußt habe und daß er den beſtehenden Hausgeſetzen nach gar nicht in der Lage ſei, dem letzteren die Annahme der ſpaniſchen Krone zu verwehren oder zu geſtatten, daß er aber auch überhaupt gar nicht daran denke, ſich in die Angelegenheiten einer unabhängigen und ſelbſtſtändigen Nation einzumiſchen. Umſonſt auch war die freiwillige Verzichtleiſtung des Prinzen von Hohenzollern auf die ſpaniſche Krone. Der Kaiſer von Frankreich und ſeine Räthe wollten nicht die Wahrheit wiſſen, und ſo erhielt denn auf die feſtgehaltene Vorausſetzung einer feindlichen Abſicht Preußens hin der franzöſiſche Geſandte am Berliner Hof den Auftrag, dem in Bad Ems weilenden König Wilhelm I. Zumuthungen zu machen, deren Erfüllung nichts Anderes geweſen wäre, als eine Selbſtdemüthigung und eine Unterwerfung Deutſchlands unter den Willen des übermüthigen Frankenkaiſers..

Wir wiſſen es und denken mit gerechtem Stolze daran, mit welch männlicher Feſtigkeit und Beſtimmtheit, aber auch mit welch klarer Einſicht in die unausbleiblichen Folgen ſeines Schrittes, König Wilhelm die zudringliche Forderung des franzöſiſchen Botſchafters zurückwies. Indem dies die franzöſiſche Regierung gefliſſentlich als eine neue Beleidigung auslegte, hatte ſie, zuerſt ſich ſelbſt, dann die Volks⸗ vertreter und zuletzt das ganze Volk belügend, die längſt erſehnte Handhabe gefunden, um mit Preußen anzubinden.Wir nehmen dieſen Krieg an mit leichtem Herzen, ſo ſprach der franzöſiſche Miniſter⸗ präſident im geſetzgebenden Körper, dieſer antwortete durch ſofortige Bewilligung der erforderlichen Geld⸗ mittel undnach Berlin, nach Berlin, ſo heulte die bethörte und kriegsgierige Menge durch die Straßen von Paris. Am 19. Juli erfolgte die Kriegserklärung an Preußen.

Dieſe aber wirkte in Deutſchland wie ein electriſcher Funke. König Wilhelm, der unter dem enthuſiaſtiſchen Beifallsruf des deutſchen Volkes von Ems raſch nach Berlin zürückgekehrt war, beantwor⸗ tete die franzöſiſche Kriegserklärung mit der Erneuerung des Ordens des eiſernen Kreuzes; der Geiſt des Jahres 1813 erwachte wieder in Preußen, und nicht blos in dieſem, auch in dem ganzen übrigen Deutſchland. Von den Alpen bis zum Meere, vom Rhein bis zum Memel herrſchte, ganz entgegenge⸗ ſetzt den Vorausſetzungen der Franzoſen, die eine Trennung des Südens vom Norden vermuthet hatten, nur ein Gefühl, ertönte nur ein Loſungswort:Laßt uns feſt zuſammenſtehen in dem bevorſtehenden Kampfe für unſre nationale Ehre und Unabhängigkeit, laßt uns vergeſſen alle bisherigen Spannungen und Spaltungen, laßt uns ausharren bis zum letzten Athemzug! 3

Nun traten einige bange Wochen ein. Wir hatten geglaubt, die ſchon lange auf den Krieg lauernden Franzoſen ſeien völlig vorbereitet auf denſelben und würden in raſchem Anlauf mit ihren kriegsluſtigen und kriegsgeübten Heeren unſre ungeſchützte Weſtgrenze überfluthen und den Krieg in die⸗ ſelben Gegenden tragen, die in den letzten beiden Jahrhunderten ſo oft und ſo ſchwer von ihrem frevel⸗ haften Uebermuthe zu leiden gehabt und noch heute ſo viele traurige Spuren ihrer ſchonungsloſen Kriegs⸗ führung in nächſter Nähe zu ſchauen Gelegenheit haben. Aber dem war zu unſerm Glück nicht ſo, und die Sammlung und der Aufmarſch der franzöſiſchen Kriegsſchaaren ging ſo langſam vor ſich, daß,

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