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Tanner sagt nun p. 56 über diese Stelle:„C3 und 4, 5 und 6 fehlen G, welches indessen zwei Verse weiter oben ein Verspaar hat, das mit C5 und 6 zusammen zu bringen ist. In G sind diese Verse Worte Guys, in C Worte der Felice. Wir haben also in C eine Umstellung eines Verspaares und auch an dieser Stelle einige Verse mehr gegen G.“ Zupitza erwidert hierauf: „Tanner hält diese Verse für Zusätze von C. Was nun zunächst die angebliche Umstellung anbelangt, so sollen zwei Verse, die in G Guy spricht in C der Felice in den Mund gelegt sein. Indessen wird diese Annahme dadurch hinfällig, dass Guy in C ebenfalls zwei solche Verse spricht(wenn auch da die Rede indirect ist): Mes nule amer ne uoleit: Altre de lui ne ia ne amereit. Sodann aber sind nicht Verse in C zugesetzt, sondern in G weggelassen. Der Dichter kann Felice ihre Erklärung„que a vous me doygne et otroy“ nicht mit einem feier- lichen„ieo seurement vous di“ haben einleiten lassen. Dagegen, da sich Guy vorher dessen gerühmt, dass er um ihretwillen die schönsten Partieen ausgeschlagen habe, so ist es durchaus passend, dass Felice ihm erwidert: Ich kann dich versichern, dass ich auch nicht gerade auf dich zu warten brauchte.“— Auf Grund des uns vorliegenden Materials dürfte nunmehr eine Wahl zwischen den Ansichten von Tanner und Zupitza nicht mehr schwer fallen: Dass zunächst Guy jene fraglichen zwei Verse spricht, wird uns nicht nur durch G und C, sondern auch durch P und A bestätigt. Aber C ist die einzige dieser Handschriften, welche an der betreffenden Stelle eine richtige Lesart hat. Während nämlich GPA von dem ersten jener beiden Verse an aus der indirecten in die directe Rede verfallen, bietet C, wie Zupitza angiebt, ganz richtig auch weiterhin die indirecte Rede, mit welcher die Gruppe GPA und wohl auch das nicht zu ihr gehörende C anfängt.— Nachdem Guy ausgeredet hat, erwidert ihm Felice dann in directer Rede,— nach der UÜbereinstimmung sämtlicher Handschriften— und jetzt sind also die VV. C5 und 6 in directer Rede wieder ganz am Platz und ja nicht zusammenzubringen mit den vorher- gehenden— ihnen allerdings ähnlichen— in indirecter Rede, welche GPA fälschlich in directe Rede umsetzen. Zuerst sagt aber Felice dem Guy ihren Dank und fährt dann fort:„Et ieo ſeuremét(veraiement) vus di“. Diese Worte sind durch zwei verschiedenen Gruppen angehörige Hss.— also vollständig gestützt. Von hier ab gehen aber dann die beiden Gruppen auseinander. Wie unpassend der Text von G gegenuber C ist, hat Zupitza hervorgehoben. Warum sollte nun der Schreiber der Vorlage von PA, welcher ja hinwiederum mit G aus einer gemeinsamen Quelle schöpfte, nicht schon dasselbe Gefühl gehabt und, wenn wir ihm nicht schlechtweg Un- aufmerksamkeit zum Vorwurf machen wollen, den Vers G 51 b 14 einfach unter Nichtbeachtung des Reimbedürfnisses deshalb weggelassen haben, weil er ihm dem Sinne gänzlich zuwider schien? Jedenfalls spricht aber der hierdurch entstandene Reimfehler für eine besondere gemein- same Vorlage von PA und— was hier zugleich im voraus gesagt sein mag— nicht gegen die Annahme einer gemeinsamen Verschlechterung von GPA gegenüber C an dieser Stelle.
55. Der dritte Fall endlich, in welchem den beiden Hss. P und A derselbe Reimvers
fehlt, findet sich— was von grösster Wichtigkeit ist— im dritten grossen Teile unseres Gedichtes(vgl. p. 6), und zwar wieder an einer Stelle, welche auch sonst besondere Berück- sichtigung verdient und daher von mir genauer besprochen werden muss.— Schon Herbing
spricht in seinem Schulprogramme der Stadtschule zu Wismar aus dem Jahre 1848, welches über die Hs. G in grammatischer und metrischer Hinsicht handelt, von zwei Stellen unseres Gedichtes, die in einem von dem gewöhnlichen abweichenden Versmasse abgefasst sind, nämlich in Zehn- und Zwölf-Silblern gegenüber dem kürzeren Achtsilbler des ganzen übrigen Gedichtes. Es stehen an diesen beiden Stellen zwei Gebete, ein längeres und ein kürzeres, für welche wohl


