Aufsatz 
Verteidigung der Vulgata in Platonis Rep. IX, cap. 9 / von Wilhelm Weigand
Entstehung
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Prämien für unſere lobenswürdigen Schüler ſind theils ein ausführliches Jahreszeugniß, theils und vorzüglich die liebenden Blicke des hier anweſend geweſenen Vaters, der theil⸗ nehmenden Mutter, der Geſchwiſter, Verwandten und Mitbürger, welcher jenem bei ſeiner Heimkehr von dieſer Prüfung begegnet. So war bei den olympiſchen Spielen der Griechen der Preis kein goldener oder blendender, ſondern ein einfacher Lorbeerzweig. Ich darf daher meine heutigen Schlußworte mit der erfreulichen Pflicht beginnen, den beßten Dank im Namen der Anſtalt und meiner Mitlehrer für die zahlreichen Beſuche abzuſtatten.

Unſer Gymnaſium iſt mehrfachen Schwierigkeiten dadurch ausgeſetzt, daß es nicht, wie ſeine Schweſter⸗Anſtalten, eine reine Gelehrten⸗Schule, nicht eine bloße Vorſchule für die Akademie und den Staatsdienſt iſt, nicht von der reichen Munificenz des Staates gegrün⸗ det und getragen wird; es ſteht als faſt einzige Ausnahme ganz auf ſtädtiſchem Boden, und wie das ſtädtiſche Aerar bisher ſein einziger Nutritor iſt, ſo hat auch die Bildung, die es ertheilt, großentheils eine bürgerliche Richtung und faſt durchweg einen bürger⸗ lichen Geiſt, im edelſten Sinne dieſes Wortes. Wenn wir während des Schuljahres unter der Bürde jener Schwierigkeiten die Schweſteranſtalten öfter zu beneiden Urſache haben, ſo verſöhnen und entſchädigen mich wenigſtens die öffentlichen Prüfungen. Wo die Gymnaſien nur als Pflanzſchulen des bloßen Beamten⸗Standes ſind oder angeſehen werden, da werden ſie leicht auch nur für das Fegfeuer zum Himmel der Akademie von der Jugend und als läſtige Quarantäne⸗Anſtalt vor dem ſüßen Ziele der Verſorgung durch ein Staatsamt von den Angehörigen betrachtet; die Lehrer ſind da nur Spe⸗ diteure des hergebrachten Scibile und die öffentlichen Prüfungen ermangeln oft der Theil⸗ nahme. Nicht ſo bei uns. Wenn man an irgend Etwas wahrnehmen kann, daß unſere Stadt ſchon vor der Aera der neueren Civiliſation eine freie war, daß ſie als ſolche das Edle wegen ihrer ſelbſt zu ſchätzen und zu verehren für eine Pflicht hielt, ſo kann man dies und anderm auch an dem fleißigen Beſuchen der öffentlichen Schulprüfungen gewahren. Denn daß es gerade Bürger aller Klaſſen ſind, welche ihnen am häufigſten beiwohnen, dies zeigt von einer angeſtammten Sitte, die von Generation zu Generation ſich fortgeerbt hat. Und hiefür müſſen wir um ſo dankbarer ſein, als wir bis jetzt Nichts zu bieten vermögen, was Annehmlichkeit gewährt oder das Auge beſonders ergötzen kann. Wir können leider nicht wetteifern mit jenen Gymnaſien, die einen einladenden Prüfungs⸗Prachtſaal haben und den trockenen Schulact der Prüfung zu einem Schulfeſt und Schulgepränge umformen.........

Von jeher haben wir in Uebereinſtimmung mit verſtändigen Schulmännern die öffent⸗ liche Prüfung nicht als ein Schauſpiel betrachtet, ſondern als ein Gericht, aber mehr als ein Kampf⸗, denn als Strafgericht. In einer Lehranſtalt, welche Ilumaniora