Aufsatz 
Verteidigung der Vulgata in Platonis Rep. IX, cap. 9 / von Wilhelm Weigand
Entstehung
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Gleiſen probirt und gepflanzt worden iſt, am Ausfluß der Ems in die Nordſee benützen können. Sehr Vieles daran iſt local; ſein Beſtand und ſeine Fortdauer iſt bis jetzt noch von einzelen Perſönlichkeiten abhängig; aber es wurde dabei doch auch eine allgemeine Idee befolgt. Sie leuchtet erſt durch mehrfache Einrichtungen, durch die gleiche Geſinnung und Handlung vieler meiner Amtsgenoſſen hervor; aber ſie iſt ſchwer auszudrücken, ohne von einer der Parteien oder von allen mißverſtanden und verketzert zu werden. Sollte ſie mit einem Wort ausgedrückt werden müſſen, ſo wäre es: Nationalbildung, aber auch ein vieldeutiges Wort, wie Freiheit, Freundſchaft u. dergl. Zu einer ſoliden deutſchen Nationalbildung liegen meines Erachtens viele und reiche Vor⸗ arbeiten oder vielmehr Glieder, aber disiecta membra, vor, welche ihre harmoni⸗ ſche Vereinigung zu einem Körper noch erwarten. Die Richtungen Humanismus und Realismus ſind in der gewöhnlichen Auffaſſungsweiſe unvereinbar. Künftige Maler und künftige Tüncher werden niemals recht in einer Werkſtätte informirt. Aber aus den Extremen würde, ſofern keine ſtörende Welterſchütterung eintritt, eine ge⸗ rechte Mittee ſich geſtalten, das habe ich ſchon vor Jahren geahnet, und daß dieſe Ahnung ſich immer mehr beſtätigt, dafür giebt auch Ihr Wirken und Ihr Wirkungskreis mir einen neuen erfreulichen Beweis. Wenn die philologiſchen Pädagogen ein Mal die Natur nicht nur in Homer und den übrigen Klaſſikern erſpähen und bewundern, ſondern auch im Leben und in der Natur*), wie dies manche dieſes Standes gethan haben und thun, und wenn andrerſeits die Utilitäts⸗Lehrer einſehen, was von den Cory⸗ phäen dieſer Seite bereits auch eingeſehen iſt**), daß es auch noch ein Bereich des Wiſſens

*) Manche Alterthumskundige gerathen allerdings theils durch den Mangel des nöthigen Sinnes, theils durch bloß kritiſche und linguiſtiſche Auffaſſung und Behandlung ihres Gegenſtandes, beſonders wenn ſie die Feder ergreifen, in eine, Gebildeten und Ungebildeten auffallende, Unnatur und Verſchroben⸗ heit, ſo daß man es Naturforſchern in Rückſicht auf ſolche Philologen gerade nicht gar übel nehmen kann, auch darum den Gymnaſien die Naturkunde empfehlen zu müſſen, um den unklaren und unnatürlichen Styl der von ihnen beobachteten Primaner natürlich zu machen. Aber hier gilt nicht pars pro toto. Ein Winkelmann, ein F. A. Wolf, ein Böckh, ein Fr. Jacobs, ein Fr. Thierſch, ein Döderlein, um nur dieſe zu nennen, ſind nicht nur berühmt durch ihre Gelehr⸗ ſamkeit in den antiken Sprachen, ſondern auch durch ihre muſtergiltige deutſche Proſa, ohne daß ſie einen andren Sprachbau ſtudirten, als den antiken. Die von ihnen und ihren ächten Schülern gebildeten Primaner haben auch(viele Beiſpiele könnten genannt werden) klar und beſtimmt ſich auszudrücken verſtanden.

Die Erſcheinungen des höheren geiſtigen Lebens, ſie können auf dem gegenwärtigen Standpunkt der Wiſſenſchaft(d. h. wol: der empiriſchen Natur⸗W.) nicht auf ihre nächſten, viel weniger auf ihre letzten Urſachen zurückgeführt werden, wir wiſſen weiter nichts davon, als daß ſie vor⸗ handen ſind. Baron v. Liebig in der org. Chemie in ihrer Anw. auf Phyſ. u. Path. Treffend in dieſer Hinſicht bemerkt auch der Hiſtoriker v. Raumer:Mit einem Worte: ich kann mir die

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