Aufsatz 
Verteidigung der Vulgata in Platonis Rep. IX, cap. 9 / von Wilhelm Weigand
Entstehung
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ſten 130 fl. betrugen, wofür ihr der ſchuldige Dank im Namen der Anſtalt auszu⸗ ſprechen iſt.

Außer den gewöhnlichen Uebungen fanden auch wiederum Excurſionen Statt, wovon die am erſten Mai dadurch ſich auszeichnete, daß zugleich die allgemeine Fahnen⸗ weihe Statt fand. Jede Riege erhielt nämlich eine ſtolze Fahne.

Je mehr Dampfſchiffe, Eiſenbahnen, Omnibus, Droſchken ꝛc. die menſchlichen Füße entbehrlich machen, dadurch aber auch die Menſchheit des heilſamſten Pflaſters für körperliche wie geiſtge Wunden berauben, nämlich des Straßen⸗Pflaſters; deſto nöthiger wird es für die Schule, wenn ſie Erzieherin bleiben will, neben den hebräi⸗ ſchen, griechiſchen, lateiniſchen, franzöſiſchen, italieniſchen und andren Exercitia auch ei⸗ nige altdeutſche Exercitien, d. h. mit den Füßen der Schüler, periodiſch anzuſtellen. Was ſonſt nur von der Königin von Spanien geſagt wurde, ſie habe keine Füße, das hat ſich leider nicht nur auf faſt alle Königinnen ihres Geſchlechtes(mit und ohne Kronen) ausgedehnt, ſondern auch auf das ſ. g. ſtarke Geſchlecht, ſo daß ſelbſt bei den ſonſt renommirteſten Fußgängern desſelben, bei denen noch vor etlichen 20 Jahren Chaiſe⸗Fahren ſchimpflich war, es nicht mehr gehen will, wie ſonſt. Trotz alles Rennens und Jagens im ganzen menſchlichen Leben, will es halt doch nicht gehen; mit den ſpaniſchen Füßen hat die Welt ſich auch ſpaniſche Stiefel angeſchafft nnd nicht nur die Füße, ſondern auch die Herzen werden täglich härter zugeſchnürt. Bei allem noch ſo ſchnellen Reiſen iſt kein wahres eben mehr, weil man eben dabei Nichts mehr erleben kann, ſondern wie ein Waaren⸗Ball verſendet wird.

Um den altmodiſchen Gebrauch der Füße(Sit venia verbo!) bei unſerer Jugend noch etwas im Gang zu erhalten, wurde auch dieſes Jahr mit den vier oberen Klaſſen eine weitere Turnfahrt veranſtaltet. Dieſes Mal wählte man den Sommer, theils weil das Frühjahr nicht ganz günſtig, theils weil die prot. Confirmanden damals daran keinen Antheil hätten nehmen können, theils und beſonders, um die botaniſche Haupt⸗ ercurſion, welche der betr. Hr. Lehrer jedes Jahr mit der dritten Klaſſe vorzunehmen pflegt, damit zu verbinden. Die Hundstags⸗Sonnenglut des Juni gebot die immer ſich vermehrende Ungeduld der Turner zu günſtigeren Tagen zu vertröſten, bis endlich mit dem Anfange des Juli der Himmel ſich wölkte und der Sommer, wie alle zu frühen Hitzköpfe, ſich vor der Zeit abgekühlt zu haben ſchien. Es wurde(am 3. Juli, Abends 4 Uhr) aufgebrochen, aber leider erſchien den andren und den folgenden Tag die Sonne wieder in ihrer vollen Pracht und Glut, und der tückiſche Himmel ſchien es auf einen ſonnenklaren Beweis angelegt zu haben, daß Profeſſoren nicht Alles wiſſen.

Als Ziel der Turnfahrt wurde dieſes Mal Dürkheim an der Haardt mit ſeinen Schönheiten und Ruinen erſehen, insbeſondere die Hartenburg, der Sitz der alten

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