Aufsatz 
Kaiserin Adelheid, Gemahlin Ottos I. des Großen
Entstehung
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sie als erprobt gefunden hatte, ihre aufrichtigsten Sympathien zuwandte.!)

Noch ein Zug aus ihrem Charakter soll hier eine längere Erwähnung finden; es ist dies ihre unerschöpfliche Freigebig- keit gegen die Armen und gegen die Kirche.

Hierin ging sie ja bekanntlich nach dem Tode Ottos 1. so weit, dass ihre Feinde daraus Anlass nahmen, sie bei ihrem Sohne Otto II. der Verschwendung anzuklagen.

Was nun fürs erste ihre Liebe zu den Armen und ihr Bestreben, deren Not zu lindern, betrifft, so haben uns hier- über eine recht anschauliche Schilderung die Annales Quedlin- burgenses zum Jahre 999 aufbewahrt.

Nach dem Hinscheiden Ottos I. starb sie, wie uns die- selben melden, der Welt und ihren Freuden ganz und gar ab; das Irdische und Vergängliche setzte sie hintan, mit ganzer Seele hingegen zog sie es zu dem Ewigen und Unver- gänglichen hin.

Alles, was sie bekommen konnte, so auch den im ganzen Reich als Tribut oder Geschenk erhobenen Reichszins gab sie heitern Sinnes und Antlitzes an die Dürftigen dahin, um sich Schätze für den Himmel zu sammeln.

Ja soweit ging ihre Mildthätigkeit, dass es gewisser- massen schien, als sei sie nicht für sich geboren, sondern nur für die Pflege der Armen von Gott bestimmt gewesen.

Gar oft sah ihre vertrautere Umgebung, wie sie nach Art ländlicher Frauen ihr langhinwallendes kaiserliches Ge- wand aufschürzte, um hiedurch bei Ausübung ihrer Liebes- werke nicht behindert zu werden, und wie sie hierauf mit beiden Händen unermüdlich Almosen spendete, bis ihr zuletzt die Kräfte versagten, und sie sich zu einer kurzen Ruhe nie- derlegen musste.

Doch selbst auch dann gönnte sie sich kaum die nötigste Erholung; denn zu ihrem Gelübde gehörte es, sich durch nichts, weder durch Stehen, noch Sitzen, noch durch irgend eine andere Beschäftigung von den ihr so liebgewordenen Werken der Barmherzigkeit?) abhalten zu lassen.

1) Pertz IV 484, ex vita Kaddroae Abbatis, c. 34 u. 35, cfr. auch O. e. A. 16, ?) Annal. Quedl. 99.