Aufsatz 
Kaiserin Adelheid, Gemahlin Ottos I. des Großen
Entstehung
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Irmengard und Hugo, Marozia und Theodora, um nur einige zu nennen, hatten kurz vorher Italien mit ihrer Schande und ihren Lastern erfüllt:!) wahre Mustertypen frecher Aus- gelassenheit waren sie gewesen, und nicht wenige, ebenfalls in vornehmer Lebensstellung Befindliche, hatten es ihnen leider nur allzusehr nachgethan.

Da erscheint Adelheid im öffentlichen Leben, und sie, die jugendschöne Königin Lombardiens, verbannt ein derar- tiges schamloses Treiben entschieden von ihrem Fürstenhofe; durch Zucht und unbescholtene Sitte sucht sie zu glänzen, sucht sie sich hervorzuthun, in der Führung eines unbeschol- tenen Wandels sieht sie ihren höchsten Ruhm, ihre grösste Ehre.

Mit Bewunderung blickt alles auf dieGemahlin LotharsII., die noch so jung solche Proben von Tugend und guter Sitte gibt, und der Ruf hievon verbreitet sich weithin über die Grenzen des italischen Reiches.?)

Den gleichen Grundsätzen bleibt Adelheid aber auch getreu, als sie nach Lothars Tod, dem mächtigen Otto ange- traut, zum Range der ersten Fürstin des Abendlandes empor- gestiegen ist.

Ein Muster für ihre Untergebenen in jeder Beziehung, eine zärtliche und treue Gattin ihrem Gemahl, eine gewissen- hafte Mutter für ihre Kinder ist und bleibt sie auch hier ein nachahmungswürdiges Vorbild für alle kommenden Geschlechter.

Niemand vermag daher mit Grund ihr früheres oder späteres Leben anzutasten. Unbefleckt ist ihr Ruf zu jeder Zeit ihrer irdischen Pilgerschaft geblieben.

Fleckenlos bewahrte sie ihn inmitten der grössten Ge- fahren in ihrer Jugendzeit, unentweiht nahm sie denselben mit ins Grab.

Nicht minder herrlich schmücken sie die Tugenden der Sanftmut und der Liebe zur Versöhnlichkeit,

Obwohl von ihrem Sohn und Enkel, wie von Theophano schwer beleidigt, wendet sie ihnen doch auf die ersten Zeichen von Reue bald wieder die gleiche, wenn nicht eine höhere Zuneigung und Liebe denn zuvor zu.

') Giesebr. I 312, 313, 362--364, 355. 2) Cfr. Widuk. III 7, 9, Thietm. II 3.