Aufsatz 
Kaiserin Adelheid, Gemahlin Ottos I. des Großen
Entstehung
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Ganz besonders hörte Otto I, der gar wohl erkannte, dass er so am besten der Treue der burgundischen Partei Lombardiens versichert sein dürfte, auf Adelheids Wort in Wahrnehmung der italischen Reichsgeschäfte, wie denn auch die meisten Verfügungen Ottos für Italien auf ihre Fürsprache hin erfolgt sind.!)

Aber auch Otto IL, wie Otto III. folgten den Fusstapfen ihres erlauchten Vaters, beziehungsweise Grossvaters.

Adelheid erscheint unter ihnen als die einflussreiche Mutter, beziehungsweise Grossmutter, sie gilt am kaiserlichen Hofe ikres Sohnes und Enkels als eine der wichtigsten Per- sönlichkeiten.

Zeitweilige Misshelligkeiten, der Eifersucht und Ver- läumdung entsprungen, zwingen sie allerdings, aus dem Rate Ottos II. und Ottos III. auszuscheiden: aber gerade dann werden letztere am schnellsten und sichersten inne, welche Stütze sie an der weisen Grossmutter gehabt, und sie sparen weder Mühe noch Bitten, um die frühere Freundschaft wieder herzustellen.

Denn nicht bloss auf Deutschland und Italien erstreckte sich ihr Ansehen: auch in Burgund und Frankreich war sie hochgeachtet und geehrt, und so trug sie denn nicht wenig dazu bei, das gute Einvernehmen des ostfränkischen Reiches . mit dem westfränkischen und burgundischen zu wahren und aufrecht zu erhalten.

Mag aber Adelheid noch einen so hohen Einfluss auf die Regierung des Reiches ausgeübt haben, mag ihre Bedeu- tung für Deutschland und Italien noch so gross gewesen sein; höher und grösser, erhabener und bewunderungswürdiger steht sie vor uns, wenn wir ihre Denk- und Handlungsweise, wenn wir ihren Charakter und ihre Sitten, wie diese in ihrem ganzen Leben sich spiegeln, prüfenden Auges näher betrachten.

Wie schön hebt sich da nicht von dem dunkeln Hinter- grund kaum vergangener Zeiten das reine Lebensbild ab, das in ihr, der jugendlichen Gemahlin König Lothars I., uns entgegentritt.

!) Dümmler 330. )