Aufsatz 
Kaiserin Adelheid, Gemahlin Ottos I. des Großen
Entstehung
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Mit glühender Andacht empfing sie nach der heiligen Ölung das allerheiligste Sakrament des Altars und in ihm den- jenigen, der stets ihre Hoffnung, ihre Zuversicht gewesen.

Gekräftigt und gestärkt durch die himmlische Speise, forderte sie sodann die anwesenden Fürsten und Geistlichen auf, die Busspsalmen zu singen und der kirchlichen Sitte gemäss die Heiligen um ihre Fürbitte anzurufen.

Es geschah, wie sie wollte.

Unter den Stimmen der andächtig Betenden vernahm man aber auch die Stimme der totkranken Kaiserin, die mit ebenso grosser Inbrunst als Demut den Herrn um seine Gnade anrief und um seinen Beistand anflehte.

Näher und näher rückte heran nun das Geburtstest des göttlichen Heilandes, näher und näher das Jahr 1000 nach Christi gnadenreicher Menschwerdung; immer stärker wurde ihr Wunsch aufgelöst und bei Christo zu sein(Philipp. 1, 23), immer glühender ihr Verlangen, in den Vorhöfen des Herrn der Herscharen jenen Tag zu schauen, der keinen Abend, kein Ende mehr kennt,

In der Nacht vom 16. auf den 17. Dezember sollte nun ihrer heiligen Sehnsucht volles Genüge geschehen, zu dieser Zeit entrang sich nämlich ihre heilige Seele den Banden des Leibes und schwang sich emporzum reinen Licht des reinsten Äthers, um ihrer Mühen hundertfältigen, ja ewigen Lohn zu empfangen.')

So lebte und starb, so litt und stritt, so wirkte und endete diese überaus merkwürdige Frau, diese edle und be- rühmte Kaiserin, diese leuchtende Zierde des deutschen und italischen Königsthrones, dieses herrliche Muster und Vor- bild in Übung aller christlichen Tugenden.

Gross, wahrhaft gross steht sie vor unseren Augen da, ein gleich bedeutsames und erhabenes Bild bietet ihre ganze Erscheinung, mögen wir ihre politische Stellung ins Auge fassen, oder mögen wir unsern Blick auf ihr Privatleben richten.

Was nun ihre politische Bedeutung im allgemeinen be- trifft, so hat Adelheid für Jahrhunderte so zu sagen einen be-

') Odilo e. A. 22, cfr. Annal. Quedlinb. 999 a. E.