Aufsatz 
Kaiserin Adelheid, Gemahlin Ottos I. des Großen
Entstehung
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So traf sie mitten in den Übungen der Gottseligkeit jener Tag(7. Dezember), an welchem alljährlich zum Gedächt- nis ihres Sohnes Otto II., ein feierlicher Gottesdienst im Münster zu Selz abgehalten wurde.!)

Wie gewöhnlich waren hiezu, reichlicher Gaben gewiss, Scharen von Armen und Notleidenden aus der ganzen Um- gegend zusammengeströmt.?)

An der Pforte der kaiserlichen Wohnung stellten sie sich auf und harrten ihrer unermüdlichen Wohlthäterin.

Bald erschien unter ihnen die hohe Frau und teilte mit eigenen Händen reichliches Almosen aus, besonders Dürftige erhielten Kleider oder andere, passende Geschenke.

Dann zog man in das prachtvolle Gotteshaus, wo ein Erz- bischof in feierlichster Weise das heilige Opfer darbrachte.°)

Dieser aussergewöhnlichen Anstrengung war jedoch die Kaiserin bei ihrer so sehr geschwächten Gesundheit nicht mehr gewachsen gewesen,*) es ergriff sie in der kommenden Nacht ein Fieber, das, von Stunde zu Stunde an Heftigkeit zunehmend, sie in einigen Tagen an den Rand des Grabes brachte.

Indes hatte sie auch viel zu leiden, die Schmerzen der tückischen Krankheit konnten ihren starken Geist nicht beugen, ihre Liebe zu den Übungen der Andacht nicht mindern, sie verharrte auch jetzt nach Kräften im Gebete und wollte nichts sehen, noch hören was sie nicht an Christo erinnerte.

Noch ein letzter Hoffnungsschimmer der Genesung be- gann, so meinte ihre Umgebung, aufzuleuchten; das Übel schien zu weichen und die Kraft des Körpers zurück zu kehren.

Die gottergebene Duldnerin liess sich jedoch hiedurch nicht beirren, sie benützte vielmehr den günstigen Augenblick, um sich mit den Gnadenmitteln der Kirche versehen zu lassen. 5)

170.20.

sy 04.21

®) Wahrscheinlich Erzbischof Willigis von Mainz, cfr. auch Pertz IV 644 Anm. 30 zu c, 21 e. A.

7 0.6 A 28

50. e. A. 21.