Aufsatz 
Guyaus soziologische Ästhetik : 1. Teil. Einleitung und Darstellung der Prinzipien / von Heinrich Willenbücher
Entstehung
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ſelbſt wieder ein Syſtem von Ideen und Bildern, die unter ſich nach einer beſtimmten Form verbunden ſind. Hieraus folgt, daß ein Objekt ſehen heißt, das Bild dieſes Objektes in ein beſonderes Syſtem von Aſſociationen, das Ich des Künſtlers, einführen. Iſt dieſes mächtig, weit und hell genug, ſo wird alles, was in es hineingezogen wird, von Bewegung und Licht durchdrungen werden. So trägt jeder Beobachter etwas von der Welt, die er beobachtet, mit ſich und in ſich. In dieſer inneren Schwerkraft erhält jedes Objekt einen verſchiedenen Platz je nach dem Reichtum des Ideenſyſtems, dem es ſich einfügt.

Die Welt oder die Menſchheit äſthetiſch darſtellen heißt alſo, ſie an einen feſten Punkt, den Menſchen als Mikrokosmus, anknüpfen.

Die Kunſt zeigt den Gegenſtand immer von einer ganz be⸗ ſtimmten Seite, die ſie hervortreten läßt. Die beiden Bilder, Gegenſtand und Darſtellung, müſſen ſich zwar decken, wenigſtens in allen weſentlichen Punkten; aber die Darſtellung des Künſtlers muß verſchiedene Richtungen haben und von einem neuen Lichte er⸗ leuchtet ſein.

Das Streben des Realismus, das zugleich eine gefährliche Klippe iſt, geht dahin, das quantitative Ideal an die Stelle des qualitativen, das von der Regel Abweichende an die Stelle des Korrekten zu ſetzen. Außer der Quantität und der Intenſität hat aber auch die Qualität ihre Bedeutung im Wirklichen.

Das Streben nach Intenſität iſt in der Kunſt berechtigt, denn die Wahrheit der Bilder wäre nur gering ohne ihre Intenſität, von der ſie verlieren, wenn ſie ſich in offenem Widerſpruch mit dem Möglichen befinden. Das Falſche, d. h. das Unwahrſcheinliche, muß aus der Kunſt ausgeſchloſſen ſein, da es uns mehr oder weniger unempfänglich macht. Sobald Bilder mit hinreichender Stärke empfunden werden, ziehen ſie den Glauben an ihre Wirk⸗ lichkeit nach ſich:voir assez fortement, c'est croire. Es gibt zwar Künſtler, die es verſtehen, in uns Bilder hervorzurufen, welche trotz ihrer Unwahrſcheinlichkeit den Schein der Wirklichkeit erwecken. Allein dieſe Kunſt beruht auf einer Sinnestäuſchung, wie ſie der heutigen überreizten Phantaſie entſpricht. Der Beſchauer eines