Aufsatz 
Guyaus soziologische Ästhetik : 1. Teil. Einleitung und Darstellung der Prinzipien / von Heinrich Willenbücher
Entstehung
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11.

lichen Sinn, ſondern ein Denker, oder, auf ſein dichteriſches Genie angewandt, ein Träumer. Er hatte das Gefühl für das Unerkenn⸗ bare, das große Geheimnis, das der Verſtand niemals durch⸗ dringen wird. Er neigt zum Manichäismus, inſofern, als er in dem Licht und der Finſternis das Symbol des großen kosmiſchen Gegenſatzes, des Guten und Böſen, ſieht. So ſehr dieſe Richtung ihn auch zum Peſſimismus hinzutreiben ſcheint, gewinnt doch der Optimismus bei ihm die Oberhand wegen ſeiner Objektivität und ſeines mächtigen Glaubens. Hugo iſt niemals Materialiſt geweſen, wie Renan glauben wollte, wenn er ſagte, man wiſſe nicht, ob der Dichter Spiritualiſt oder Materialiſt ſei. Er gründet den Materialismus auf einen Conceptionalismus, der ſich ſelbſt wieder in Idealismus verwandelt. Beide erkennen in dem Geiſt das wahre Sein. Inſofern nun Hugo die Perſönlichkeit zur Bedingung einer wirklichen Unendlichkeit macht, ergibt ſich, daß auch das unbegrenzte Ideal, das der Menſch in ſich hat, eine Perſönlichkeit haben muß. So verbindet ſich bei Hugo Pantheismus und Theismus: Gott iſt dem Univerſum immanent. Die ſichtbare Form und Offenbarung des Göttlichen iſt die Schönheit, die ewige Harmonie, die eins iſt mit dem elementaren Willen zum Guten. Der einzige Beweis von dem Daſein Gottes iſt für Hugo das moraliſche Bewußtſein; er iſt Kantianer, ohne es zu wiſſen. Erſt durch die Idee der Pflicht erhält die Natur einen Sinn und Zweck, ihre Schönheit und Güte.

In allen Dingen nimmt Hugo eine immanente Zweckmäßig⸗ keit an, deren mechaniſche Entwicklung nur die äußere Seite iſt. An dieſer Entwicklung nimmt der Menſch teil und nennt die Quantität der Schwankung in dieſer Verrückung der Welten ſein Schickſal. Dem menſchlichen oder vielmehr univerſellen Geſchick gibt Hugo wie Lamartine in Symbolen und Mythen Ausdruck. Hierin berührt er ſich mit dem Pythagoräismus. Aus Pythagoras und Plato entlehnt er orientaliſche Vorſtellungen; die indiſche Lehre von der den Handlungen folgenden Heiligung nimmt bei ihm die Form der Wiedergeburt und Metempſychoſe an, und er zeigt Neigung zum Neu⸗Platonismus, wenn er in den Tieren die Bilder unſerer Tugenden und Laſter erblickt, die vor unſeren Augen umherirren, die ſichtbaren Phantome unſerer Seelen. Ein tiefes Mitleid für